Dienstag, 25. Juli 2017

OUKITEL K10000 Pro - Der smarte Ziegelstein

Wenn man es nicht selbst sieht, kann man es eigentlich kaum glauben, dass es ein Smartphone mit diesen Abmessungen gibt. Dieses Ding ist unglaublich groß und dementsprechend schwer, dass der Vergleich mit einem Ziegelstein zwar natürlich übertrieben, aber nicht ganz vond er Hand zu weisen ist.

Warum ich mir so ein Telefon zugelegt habe hat in Wirklichkeit auch nur einen einzigen Grund: die schier unglaublich lange Akkulaufzeit.

Aber mal von Vorne. Meine Frau und ich besitzen beide ein Samsung S8 und sind höchst zufrieden damit. Bei halbwegs vernünftiger Nutzung kommen wir etwa 18-24 Stunden mit einer Akkuladung durch, wobei wir relativ viele Mails und Nachrichten erhalten, lesen und beantworten, jedoch keine Spiele spielen und selten bis gar nicht Videos streamen. Ein bisschen Telefonieren und fertig. Jetzt sind zwei Tage schon ein ganz brauchbarer Wert, weil man ja ohnehin immer wieder zwischendurch wo aufladen kann und das Mitnehmen einer Power Bank für den energetischen Notfall auch ganz OK ist.
Somit hätten wir im Prinzip keinen Bedarf für eine Power Bank mit der man telefonieren kann. Aber wir brauchten für einen USA Aufenthalt ein Smartphone, das unlocked war, weil wir uns für unseren Aufenthalt eine US SIM Karte mit unlimited Data und unlimited Calls nach Europa kauften. Das war wesentlich billiger als ein Roaming-Pakte unseres Providers. Da unsere S8 beide gesperrt sind, konnten wir sie leider in den USA nicht verwenden und unsere alten Smartphones waren leider technisch schon so rückständig, dass nicht einmal die Navi-App flüssig lief. Also musste ein günstiges, freies Smartphone mit großem Akku und halbwegs vernünftigen Leistungsdaten her.

Unsere Wahl fiel auf das Monster unter den smarten Telefoniegeräten. Das OUKITEL K10000 Pro

Die Daten des Geräts lesen sich gleichermaßen beeindruckend wie erschreckend :-)

Mit Kantenlängen von 161,7 x 77,8 mm und einer Dicke von 14,5 mm erklärt sich der Vergleich mit einem Ziegelstein schon fast. Wirft man einen Blick auf das Gewicht des K10000 Pro, dann wird alles klar, denn dieser smarte Stein wiegt knapp 300g, und das obwohl das Telefon hauptsächlich aus Kunststoff gefertigt ist. Wenn das Gehäuse dann noch aus Aluminum wäre, dann würde es einem vermutlich die Hose runter ziehen, wenn man sich das Teil in die Gesäßtasche steckt. Somit könnte man schon mal festhalten, dass dieses Telefon vermutlich keinen Preis in der Kategorie Miniaturisierung gewinnen wird. Auch die Portabilität ist bei anderen Modellen wesentlich besser, schließlich würde man in der Kubatur dieses Modells fast 2,3 Samsung S8 unterbringen.

Es gibt natürlich auch einen Grund für diese enormen Maße: den Akku. Ich muss zugeben, dass ich es nicht sicher weiß, aber ich denke, dass es derzeit kein Smartphone auf dem Markt gibt, das es mit dem Akku des K10000 Pro aufnehmen kann, denn dieser ist unglaubliche 10.100 mAh groß und hat damit fast die 3,5 bis 4-fache Kapazität marktüblichen Smartphones. Selbst wenn das Batteriemanagement des Betriebssystems nicht alle Möglichkeiten ausschöpfen würde, sollte die durchschnittliche Nutzungsdauer im Vergleich mit einem herkömmlichen Phone zumindest 3 mal so lange sein. Vermutlich ist der Faktor sogar noch etwas höher. In unserem fall heißt das etwa 6 Tage ohne aufzuladen.

Wie sind die Daten nun zusammen gefasst?

Abmessungen: 77,8 x 161,7 x 14,5mm
Gewicht: 292g
Gehäuse: Kunststoff
Display: Gorilla Glass 5,5" LCD IPS mit 1080x1920 Pixel
Prozessor: MediaTek MT6750T (4x 1,5GHz ARM_A53 Cortex / 4x 1,0GHz ARM-A53 Cortex)
Grafik GPU: ARM Mali-T860 MP2
RAM: 3GB
Flash: 32GB (ca. 3-4GB für das OS)
Slots: alternativ 2 x Nano-SIM / 1 x Nano-SIM + 1 x Micro-SD
Sicherheit: Fingerprint Scanner auf der Rückseite unter der Kamera
Rückkamera: 13Mp
Frontkamera: 5Mp
Netzwerk: 2G/3G/4G LTE / WLAN bis 802.11n / Bluetooth 4.0
Akku: Li-Ion mit 10.100 mAh
OS: Android 7.0 Nougat



Lieferumfang

Der Hersteller zeigt schon mit dem Lieferumfang, dass die Käuferschicht auf die er mit diesem Modell abzielt nicht die Hippen und Trendigen, sondern eher die Pragmatischen und Soliden KäuferInnen sind. Hat man bei anderen Modellen Kopfhörer von Markenherstellern und miniaturisierte Ladegeräte dabei, so findet man bei diesem Smartphone eher das Bauleiter-Equipment.

In der durchaus schicken und sehr großen Box enthalten sind:

  • das OUKITEL K10000 Pro Smartphone
  • eine Silikonhülle
  • ein bereits angebrachter Displayschutz
  • eine weitere Displayschutz-Folie
  • und noch eine Displayschutz aus gehärtetem Glas
  • ein USB to Micro-USB Adapter
  • ein Micro-USB Ladekabel mit besonders langem Stecker (den man auch braucht, weil mit einem normalen Stecker wegen des enorm dicken Gehäuses kein Kontakt zustande kommt)
  • ein 2A USB Ladegerät
  • eine Gürteltasche aus Kunstleder
Vor allem die Gürteltasche erinnert mich stark an die Bauleiter und Architekten aus Amerikanischen Filmen, die ihr überdimensionales aber nahezu unzerstörbares Telefon in der Tasche am Gürtel tragen. 

Betriebssystem

Wie in der Liste angeführt ist ein nur geringfügig gebrandetes Android 7.0 installiert. Der Vorteil vom Stock-System liegt ganz klar in der sehr schlanken und unbelasteten Ausführung. So finden sich kaum unnötigen Apps (Malware) auf dem Telefon, die bei anderen Anbietern oft massig vorhanden und teilweise nicht deinstallierbar sind.

Android 7.0 läuft gut und schnell auf diesem Telefon, wenngleich der komplette Systemboot des ausgeschalteten Smartphones rund 45 Sekunden benötigt.
So richtig schnell geht es bei der Kamera. Aus dem Standby ist sie in nur 3:09 Sekunden bereit zum Aufnehmen. So entgeht einem kaum ein Schnappschuss. Hier scheitert man dann eher bei Langzeitaufnahmen von Schulaufführungen, weil die Kraft im arm vermutlich schneller verfliegt als der Akku des Smartphones leer werden kann.

Sonst gibt es über das OS nicht viel zu sagen, außer dass die Übersetzung selbst heute noch immer nicht verbessert wurde. Der Akku ist noch immer in "13 Munuten" vollständig geladen und bei den Systemeinstellungen herrscht ein heilloses Wirrwarr zwischen teils mäßigen Deutschen Übersetzungen und Englischen Texten. Ich muss ehrlich sagen, dass ich definitiv ein Freund der Englischen Textausgabe bin, da diese weitaus weniger anstrengend zu lesen ist als die Deunglische Variante mit Chinesischen Spezialausdrücken

Die Handhabung

OK, was soll man sich von diesem Riesenteil erwarten? Einhändige Bedienung gehört nicht zu den großen Pros dieses Phones, außer man hat Pranken wie Sly Stalone und selbst der wird vermutlich einen zu kurzen Daumen haben um mit einer Hand halten und tippen zu können.

Rein von der Nutzung des OS her ist es selbsterklärend und intuitiv. Man bekommt zu keiner Zeit eine unlösbare Aufgabe bei der Konfiguration oder Nutzung des Geräts. Da muss ich sagen, dass ich mit dem S8 weitaus häufiger an die Grenzen stoße und mich anhand der Suchfunktion durch die Einstellungen kämpfe.

Egal welche Apps ich zu installieren versuchte, es gab mit keiner ein Kompatibilitätsproblem. So funktionierte die Navi-App ebenso wie Fitness Apps fürs Laufen, Liegestütze und Co. Jedoch mus sich sagen, dass ich mit diesem Telefon am Arm nicht laufen gehen möchte. Danach könnte ich den Arm vermutlich nicht mehr bewegen.

Leistung im Betrieb

Wie gesagt spiele ich nicht auf meinem Smartphone, also kann ich dazu nichts sagen, aber ich verwende es zum Navigieren und zeitweise zum Streamen von Filmen. Beides nutzten wir auf unserer Reise, weil wir in unserem Leihwagen kein Navi hatten. Hier ist noch besonder anzumerken, dass wir im Hochsommer unterwegs waren und das K10000 Pro dementsprechend großer Hitze in direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt war.

Ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl, dass das Gerät durch die enorme Hitzeentwicklung gebremst würde oder gar ausfallen könnte. Auch das hatten wir bei früheren Modellen schon gesehen. Das Gerät navigierte zuverlässig und machte auch beim Streamen eine gute Figur. Keine Ruckler und ein sehr gut aufgelöstes Bild sind mir sehr wichtig, und das Telefon konnte mich hier völlig überzeugen.

Erstaunlich war auch, dass der Akku trotz des täglich etwa 3 Stunden dauernden Einsatzes als Navi immer noch länger als 3 Tage durchgehalten hätte. Wir luden jedoch den Akku am 3. Tag im hotel auf, damit er für die nächste Etappe wieder geladen war. Ich bin mir fast sicher, dass der Akku es nochmal einen halben Tag geschafft hätte. Ein richtiges Monster eben.

Die Kameras

Nicht ganz unerheblich ist heutzutage auch die Leistung der Kameras. Wie üblich bei China-Handys sind die Kameras nun nicht State of the Art, aber diese sind zumindest wirklich nicht schlecht. Die Rückkamera liefert bei Tageslicht sehr scharf und absolut farbechte Bilder und kann selbst bei schlechten Lichtverhältnissen noch mit detailtreue und ordentlicher Kantenschärfe überzeugen. Auch der Blitz der Rückkamera ist sehr gut und ermöglicht bei geringster Helligkeit gestochen scharfe Bilder mit einem leicht erhöhten Blauanteil.

Auch Videos kann man in sehr guter Qualität aufnehmen, obwohl es hier manchmal ein bisschen mit dem Autofokus hakt. Vermutlich kauft man sich dieses Handy aber ohnehin nicht wegen der tollen Kamera, weil es schon eher weit entfernt von einem Lifestyle Smartphone ist.

Die Frontkamera, oder Selfie-Cam wie sie manche nennen, braucht für gute Bilder auch eine vernünftige Beleuchtung. Wobei die Bilder dieser Kamera meiner Meinung nach noch viel stärker in den Blaubereich tendieren, was bei Selfies dazu führt, dass man manchmal etwas kränklich aussieht. Sobald das Licht schlechter wird sind die Bilder der Frontkamera schnell etwas verschwommen und an den Kanten der Farbübergänge unscharf.

Beiden Kameras fehlt jegliche zusätzliche Funktionalität, die man bei einigen anderen Smartphone-Modellen schon ab Werk bekommt. Aber das kann man ja mit zusätzlichen Apps durchaus nachrüsten.

FAZIT

Für mich ist dieses Smartphone definitiv kein Alltagshandy, weil
ich einfach was kleineres, schmäleres, leichteres brauche. Aber wer so etwas sucht, der nimmt sich ohnehin kein K10000 Pro. Wenn es nach Tim Taylor, dem Heimwerkerkönig ginge, dann wäre das ein echtes "Männerhandy" für große Hände, das etwas aushält und bei dem man sich nicht jeden Tag darüber Gedanken machen muss, dass es an die nächste Ladestation muss.

Ja es ist groß. Ja es ist schwer. Und nein, es ist nicht chic.

+ Aber es hält bei normaler Nutzung eine Arbeitswoche durch ohne ein Ladegerät zu verlangen.
+ Es hat ein großes, gut lesbares Display, das auch bei Hitze und direkter Sonneneinstrahlung noch gut funktioniert.
+ Es ist schnell und durchaus zeitgemäß.
+ Man hat nicht das Gefühl, dass es gleich auseinander fällt, wenn man es mal etwas weniger sanft behandelt.
+ Die Kameras sind für ein china-Smartphone sehr gut und gut geeignet um zB. den Baufortschritt auf Baustellen festzuhalten.
+ Es hat 32GB Rom und braucht daher nicht unbedingt eine Speichererweiterung. Trotzdem kann man keine Micro-SD Karte mit bis zu 64GB einlegen.
+ Wenn man die Micro-SD Karte nicht benötigt, kann man 2 SIM Karten einlegen. So hätte man die Möglichkeiten einen günstigen Internet-Flat-Tarif für die Daten und zB. eine Wertkarte oder einen billigen Telefontarif fürs Telefonieren zu verwenden. Oder man hat eine Firmennummer und eine Privatnummer gleichzeitig im Smartphone. Oder so wie bei uns, eine Auslands-SIM und die Heim-SIM, damit man billig im ausland surfen und telefonieren kann und trotzdem über die eigene Nummer erreichbar ist.

- Es ist schwer.
- Es ist groß.
- Es passt kein normales Micro-USB Kabel, weil der Stecker extra lang sein muss.

Ach ja, hab ich schon erwähnt, dass dieses Telefon einen unglaublich großen Akku besitzt.
Und gerade wegen der einzigartigen Vorzüge, die letztendlich ja auch ausschlaggebend waren für den Kauf, fällt die Bewertung trotz der Unhandlichkeit und des Gewichts positiv aus.

5 von 5 Sternen



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