Montag, 10. Juli 2017

Canyamar Beach Hotel in Canyamel / Mallorca

Unglaublich wie schnell eine Woche vergeht, vor allem wenn es sich um eine Urlaubswoche handelt. Dieses Jahr wollten wir unseren 'Strandurlaub' nicht mehr in einem All-Inclusive Hotel wie in den letzten Jahren verbringen, da wir mit der unglaublichen Gästezahl im Sol Nessebar Palace Hotel des letzten Jahres einfach überfordert waren. So sollte es dieses Jahr kleiner und ruhiger abgehen.

Daher buchten wir auf Booking.com für unseren Aufenthalt auf Mallorca 7 Nächte im Canyamar Beach Hotel

Dafür gab es mehrere Kriterien, die für die Entscheidung ausschlaggebend waren:


  • das Hotel sollte in Strandnähe liegen, damit wir mit den Kids zu Fuß hingehen könnten
  • es muss ein Frühstück im Hotel angeboten werden
  • die Unterbringung soll in zwei von einander getrennten Schlafzimmer erfolgen die jedoch über einen gemeinsamen Zugang verfügen müssen (Familienzimmer)
  • der Preis muss natürlich im Rahmen liegen, weil ein Urlaub ohnehin schon eine finanzielle Belastung ist
  • das Hotel sollte nicht zu groß sein, weil wir diesmal mehr auf Ruhe und Entspannung setzen wollten, als auf Party und Entertainment
Auf Booking.com fanden wir nach einer etwas längeren Suche das, was wir anhand unserer Kriterien suchten in Canyamel, einem kleinen Ort an der Ostküste Mallorcas, der vorwiegend auf Tourismus ausgelegt ist (wie vermutlich alle Küstennahen Orte). 

Die Lage

Canyamel ist ein kleiner Ort an der Ostküste Mallorcas, den man mit einem Leihauto in knapp einer Stunde Fahrzeit (mit wenig Verkehr geht es auch etwas schneller), ausgehend vom Flughafen in Palma erreichen kann. Der Ort selbst dürfte vorwiegend aus Touristen-Unterkünften und Ferienwohnungen bestehen. 

Das Canyamar Beach Hotel ist ein kleines Hotel, das in den 1960ern erbaut wurde und dann für ein knappes Jahrzehnt mit direkter Strandlage glänzen konnte. In den 70ern wurde ein großer Hotel-Block direkt davor hingestellt, der sich nun mit anderen großen Blöcken die Strandlinie teilt. Seitlich markiert das kleine Hotel jedoch die äußere Grenze der Canyamel-Strandlage, denn dort wird es von einer Lagune flankiert, deren Gebiet auf Grund des Vogelschutzes unverbaubar ist.

Obwohl die Sicht auf das Meer durch das große Gebäude versperrt ist, wirkt es trotzdem nicht drückend. Dafür verantwortlich sind die dicht belaubten Platanen vor dem Hotel, durch deren Blätterdach der Blick auf die etwas weniger ansehnliche Fassade des Nachbarhotels verdeckt wird.

Gleich neben dem Hotel befindet sich wie gesagt die Lagune in der sich neben Fischen auch eine große Zahl an Schwimmvögeln herum treibt. Das war vor allem für unsere Kinder ein Highlight, denn die waren häufig auf dem Holzsteg unterwegs, um die Enten, Gänse und andere Wasservögel mit Brot zu versorgen. Auch die vielen Kücken hatten es ihnen angetan, und es gab immer etwas Neues zu entdecken.

Über den Holzsteg an der Lagune entlang gelangt man in 2-3 Gehminuten zum feinsandigen Strand.


Das Hotel

Intim und familiär beschreibt es wohl mit zwei Worten am Besten. Wie bereits erwähnt ist das Hotel bereits etwas älter, wurde aber vor Kurzem mit viel Liebe zum Detail revitalisiert. Ich denke, dass die Art der Ausstattung und Einrichtung unter dem Begriff Boutique-Hotel geführt wird, aber auch Vintage-Style trifft es recht gut.

Bereits bei der Ankunft empfing uns die einladende Terrasse mit den wenigen, sommerlich gedeckten Tischen des Restaurants. Weiß und Türkis sind die Farben die sich durch das komplette Hotel ziehen. Auf der Terrasse gibt es an der Wand gemütliche Sitzbänke mit weichen Polstern, Tische die ebenso wie die Stühle mit einfachen Mitteln dem Stil angepasst wurden und eine sommerliche Tischdeko.

Betritt man das Hotel so kommt man in den kleinen Barbereich mit unterschiedlichen, bequemen Sitzgelegenheiten und einer rustikalen Bar mit Surf-Brett-Lampe. Egal wohin man sieht, das Auge bleibt immer wieder hängen und man entdeckt andauernd neue Details. Seitlich am Hotel ist etwas erhöht eine verglaste Terrasse auf der man bei kühlerem Wetter geschützt essen kann. 

Neben der Bar führt ein schmaler Treppenaufgang zu den Zimmern in der 1. und 2. Etage. Das Stiegenhaus ist sehr schmal und mit einem zugegebener Maßen etwas groß dimensionierten Koffer ein wenig schwerer zu bewältigen. Ich würde eher zu zwei kleineren Koffern raten. Auf jeder Etage dürften drei Zimmer liegen. Ich glaube, dass es jeweils ein Familienzimmer und zwei Doppelzimmer sind. Auch im Stiegenhaus sind nette Details zu finden, die das Ambiente prägen.

Achtung: dieses Hotel ist nicht für Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung geeignet...zumindest nicht mit solchen die einem das Treppensteigen erschweren.

Das Zimmer

Wie bereits erwähnt hatten wir ein Familienzimmer gebucht. Dieses lag in der 2. Etage. Nach dem Öffnen der nett gestalteten Türe befanden wir uns in einem schmalen Vorraum der direkt in den großen Wohnraum führte. Ebenfalls in von dort gelangte man durch eine Türe mit Glaseinsatz ins das erste der beiden Bäder in dem es neben einer Toilette, einem Bidet und einem Waschtisch auch noch eine Dusche gab. Dieses Bad verfügte über ein Kippfenster in den benachbarten Vorraum (Lager der Reinigungskraft)

Der Wohnraum war ziemlich groß und beherbergte eine kleine Couch, die vermutlich auch als Bett genutzt werden kann, einen Tisch mit vier Stühlen, eine kleine aber funktionelle Kücheneinheit mit Spüle, elektrischem Herd und Dunstabzug sowie einen Kühlschrank der ausreichend groß war. Für Unterhaltung sorgt ein LCD-Fernseher mit ca. 45cm Diagonale und SAT-Receiver mit ausreichend deutschsprachigen Programmen. Eine Fensterfront über die komplette Raumbreite sorgt für viel Licht und eine Glastür führt auf den vorgelagerten Balkon. Über dem Esstisch konnte man mittels Deckenventilator für etwas Zugluft sorgen.

Seitlich vom Wohnraum gelangt man zum zweiten Badezimmer, das über eine vergleichbare Ausstattung wie das erste verfügt jedoch kein Fenster zum Lüften hat. Dieses Bad liegt zwischen den beiden Schlafräumen mit jeweils einem Doppelbett. Das Zimmer an der Frontseite des Hotels hat wie der Wohnraum einen eigenen Balkon und hatte auch ein eigenes Waschbecken im Zimmer. Zudem zwei Nachttische und ein Schrank für die Kleidung. An der Decke befand sich ein Deckenventilator, der aus Gründen zu denen ich später komme auch wirklich notwendig war.

Im zweiten Schlafraum, der sich an der Rückseite des Hotels mit Loggia zum Innenhof befand, gab es neben dem Doppelbett auch ein Gitterbett, einen in die Wand eingelassenen Schrank und den Tresor. Dieser Raum war meist etwas kühler als die Räume an der Vorderseite und hatte auch keinen Ventilator.

Alle Räume waren mit Fliesenböden belegt. Da das Hotel neben einer Lagune liegt ist in den warmen Monaten mit einem höheren Aufkommen von Mücken/Gelsen zu rechnen. Und da ist auch schon der einzige wirkliche Kritikpunkt für uns, denn leider verfügen die Balkontüren und Fenster über keinerlei Insektenschutz, weshalb man diese nachts eigentlich nicht offen lassen kann. Wir probierten es und wurden prompt von Mücken zerstochen, obwohl neben den Betten beidseitig Gelsenstecker eingesteckt waren. So das wäre normalerweise auch kein Problem, wenn es eine Klimaanlage geben würde, denn dann kann man die Fenster ja zu lassen. Da diese fehlt, mussten wir uns entscheiden ob wir in drückender Hitze schlafen, oder uns von Mücken auffressen lassen wollten. Wir wählten die Hitze als kleineres Übel.

4* wegen fehlender Insekten-
Schutzgitter an den Fenstern

Die Sauberkeit

Das Hotel ist Vintage aber alles Andere als ungepflegt. Schon beim Betreten des Zimmers fiel auf, dass es gut gepflegt und sauber ist. Und das ist in Strandnähe nicht so einfach, da die Gäste sicher immer etwas Sand mit ins Zimmer bringen.

Die Toiletten waren, wie die Bäder allgemein sehr sauber und nur bei den Duschen fand sich an kleinen Stellen der, in südlichen Gefilden unvermeidliche, Schimmel an den Silikondichtungen. Außerdem blieb ab und zu die Toilettenspülung hängen und führte dann zu einem leeren Spülkasten (das liegt aber an dem Spülkastenmodell...dieses Problem haben meine Eltern zuhause auch damit)

Im Kühlschrank gab es keinerlei Gerüche und auch sonst ist das Hotel sehr sauber und gepflegt.


Das Personal

Nun ich würde nicht von Personal sprechen. Jeder mit dem wir im Hotel zu tun hatten agierte so als ob es sein/ihr Hotel wäre. Es lässt sich daher auch schwer sagen wer nun Personal und/oder Besitzer von dem Betrieb war. Freundlich, herzlich und zuvorkommend. Anders kann man es nicht ausdrücken. Es war ein bisschen so, als ob man bei einer Familie zu Besuch wäre, nur mit dem Unterschied, dass man abends à la carte speisen kann.

An unserem Hochzeitstag wurden wir mit einer besonderen Tischdeko mit Kerzen in Herzform überrascht und bekamen eine Flasche Sekt zum Essen spendiert. Solche Aufmerksamkeiten findet man selten, und schon gar nicht bei großen Hotelketten. 

Das Restaurant

Also unserer Meinung nach ist es das beste Restaurant in Canyamel. Da es nicht nur für Hotelgäste geöffnet und ziemlich klein ist, sollte man unbedingt einen Tisch für den Abend reservieren. Dabei finde ich es sehr sympatisch, dass man für die Reservierung keine Zeit angibt, da es ohnehin erst ab 17 Uhr geöffnet ist. Somit hat man auch nach dem Essen keinen Stress den Tisch wieder freizugeben, und man kann auch nette Bekanntschaften machen. Da unsere Kinder meist schneller fertig waren als wir, wurden an unserem Tisch oft Plätze frei. Am letzten Abend gesellte sich eine Familie zu uns und wir hatten noch eine nette Unterhaltung.

Über die schöne Terrasse habe ich ja bereits etwas geschrieben. Auf der kann man das Frühstück zwischen 8:30 und 11 Uhr genießen. Dieses ist reichhaltig und von hoher Qualität. So bekommt man neben einem ausgezeichneten Espresso aus der Barista-Maschine frisch gepressten Orangensaft und Detox-Wasser. Der sommerlichen Temperatur angepasst ist der Kakao für die Kinder kalt und erfrischend. Frisches meist noch warmes Gebäck, Rohschinken, Lachs, Wurst, unterschiedlichste Käse-Variationen, Caprese, Gemüse und Obst, Marmelade, Nutella, Fruchtjoghurt und sogar Bircher-Müsli boten ein komplettes Angebot. Dazu natürlich Eiergerichte frisch aus der Küche.

Wenn man abends einen Tisch im Restaurant reserviert hat, dann isst man ausgezeichnet und zu absolut fairen Preisen. Die Karte bietet für jeden Geschmack das Richtige. Vom Hühnerschnitzel in Knusperpannade über diverse Meerestiere und Süßwasserfische bis hin zur geschmorten Lammschulter ist für jeden etwas dabei. Nachdem wir an vier Abenden im Canyamar Beach Hotel aßen, konnten wir einen guten Überblick bekommen.

Wir hatten:
  • Gambas im Knoblauch-Olivenöl-Sud - super frisch, und so viel, dass man sicher satt wird
  • Dorade gegrillt mit Gemüse und Kartoffeln - ebenso frisch, sehr gut zubereitet und für unsere Tochter sogar trotz des ohnehin günstigen Preises noch mal etwas günstiger und mit Pommes
  • Miesmuscheln - ausgezeichnet abgeschmeckt in einem Gemüsefond und nicht zu wenig. Auch hier hatten wir die große und die kleine Portion....die kleine hätte meiner Frau auch gereicht
  • Gambas-Topf mit Kartoffeln und Gemüse - frisch, lecker und viel
  • Paella negra mit Sepia-Tinte - wir hatten sie für zwei, wären aber sicher zu dritt auch satt geworden. Frisch zubereitet, daher mit ca. 40 Minuten Wartezeit die man in der Umgebung aber nicht einmal merkt. Ein Tipp: keine weiße Kleidung anziehen :-)
  • Geschmorte Lammschulter - ein Gedicht mit Bratkartoffeln und Gemüse und so zart, dass sie auf der Zunge zergeht. Dabei absolut ohne Schafgeschmack....also wirklich ein junges Lamm
  • Schweinefilet in Gorgonzolasauce mit Folienkartoffel und Gemüse - wie alles andere sehr gut 
  • Pasta mit Thunfisch - aldente und geschmacklich einfach perfekt getroffen
  • Warmes Schokoküchlein mit Vanilleeis - unsere Kinder sind voll drauf abgefahren
  • Eissoufflé - schmeckt wie ein Soufflé und ist dennoch ein Eis. Sehr erfrischend auch an heißen Tagen
  • Crema Catalana - geschmacklich ein Hit, aber selbst wenn man keinen 'Vanillepudding mit Caramel-Kruste' mag, sollte man sich diesen Nachtisch schon alleine wegen der Show bestellen

Für alle Speisen gilt, dass sie geschmacklich ausgezeichnet, von der Menge her mehr als ausreichend und von der Qualität hochwertig und frisch waren. Dazu sind die Preise für mallorquinische Verhältnisse mehr als fair. Die frische der Speisen erkennt man auch an der sehr begrenzten Verfügbarkeit. Hier wird nicht in Masse auf Vorrat produziert. Daher kommt es auch vor, dass die Creme Catalana aus ist, weil ebenen ein paar Gäste zuvor auch schon Gusto darauf hatten. Auch vom Fisch des Tages gibt es nur wenige und die Paella braucht ihre Zeit. Sehr sympatisch.


FAZIT

Wir sind auf unserer Suche nach einer ruhigen Unterkunft in sehr guter Lage mit Strandnähe fündig geworden. Das Canyamar Beach Hotel bietet seinen Gästen eine liebevoll gestaltete Umgebung mit bestem Service und ausgezeichnetem Essen und ist daher mit Sicherheit eine absolute Empfehlung für Paare oder Familien mit größeren Kindern. Mit Kleinkindern geht es natürlich auch, ist meiner Ansicht nach aber da empfehlen sich vermutlich andere Hotels eher. Lediglich fehlende Möglichkeit bei geöffnetem Fenster zu schlafen, was durch die Mückenplage ohne Schutz vor den Fenstern bedingt war, trübte den Gesamteindruck ein wenig. Fürs nächste mal würde ich vermutlich ein Insektenschutznetz mitnehmen und vor die Balkontüre spannen. Eine einfache und billige Lösung.

Für uns war es auf jeden Fall eine Woche der Entschläunigung, um es mit einem Modewort zu beschreiben. Ein Aufenthalt bei sympatischen Leuten in einem originellen Umfeld und mit einer Top Küche die nicht mehr will als die Gäste zu verwöhnen. Gemütlich, relaxed und unaufgeregt. Einfach toll. 



PS: Noch mehr Fotos sind bei unserer Bewertung auf Tripadvisor zu finden.

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