Montag, 30. Januar 2017

Amazon Echo - Alexa ist bei uns eingezogen

Ich hatte schon nicht mehr daran geglaubt, den Amazon Echo Lautsprecher zu erhalten. Als im September 2016 die Echo-Ankündigung von Amazon per Mail an Prime Kunden verschickt wurde, in der die Option eine 'Einladung zum Kauf' anzufordern enthalten war, klickte ich als einer der Ersten auf den enthaltenen Link. Gleich darauf bekam ich ein Mail mit der Information, dass es längern dauern könnte bis ich den Amazon Echo kaufen könnte.

In den Monaten danach kam lange nichts. Selbst als die Einladungen zum Kauf bereits verschickt wurden, war ich lange nicht dabei. Auf Nachfrage bei Amazon konnte man mir nichts sagen, weil die Einladungen per zufälliger Auslosung verschickt wurden.

Mitte Jänner war es dann endlich soweit und ich bekam die Einladung zum Kauf. Soweit ist es schon gekommen, dass man zum Kauf eines Produktes eingeladen wird. Wie auch immer. Ich wurde also eingeladen und schlug zu.

Geliefert wurde der Amazon Echo innerhalb von weniger als 24 Stunden. Schneller geht es nun wirklich nicht mehr. Im Lieferumfang enthalten war:

* der WiFi Lautsprecher
* ein Netzteil
* eine Kurzanleitung

Erster Eindruck

Amazons Echo ist sehr gut verpackt und ordentlich mit Folien geschützt. Das Gerät liegt schwer und massiv in der Hand und wirkt auf den ersten Blick sehr hochwertig. Die Haptik ist ebenso hochwertig und der Lautsprecher wirkt weit teurer als er ist. 

Sehr sauber verarbeitete Gehäuseteile, Tasten und Regler zeichnen dieses Gerät aus. Der Drehregler am oberen Teil des Lautsprechers ist extrem leichtgängig und nahezu ohne Widerstand.

Die Inbetriebnahme

Leichter geht es nun wirklich nicht mehr. Ich steckte den Lautsprecher am Stromnetz an und öffnete die Alexa App die ich zuvor aus dem Playstore geladen hatte. Als ich in der App auf Gerät hinzufügen ging, war der Lautsprecher innerhalb weniger Sekunden vorhanden. ich musste nur noch das WLAN-Passwort eingeben und schon verband sich Alexa mit dem Internet.

Kurz blinkte der Leuchtring rot und daraufhin orange. Nach der Aktivierung der deutschen Sprache ging der Leuchtring kurz auf blau und der Echo war bereit. Mit dem Aktivierungswort ALEXA konnte ich gleich den ersten Befehl erteilen. Wirklich einfach das Ganze. Verliert der Echo die Netzwerkverbindung und kann daher Anweisungen nicht interpretieren oder ausführen, so leuchtet der Ring jedes Mal rot. Bei uns ist das bereits zwei Mal passiert. Hier half einfaches Aus- und dann wieder Einstecken des Netzteils.

Die Bedienung

Alexa oder Echo wird grundsätzlich per Spracheingabe bedient. Jedoch gibt es zusätzlich die Möglichkeit die Lautstärke direkt am Lautsprecher über einen Drehregler an der Oberseite zu regulieren. Zusätzlich gibt es eine Taste mit der man die Mikrofone ausschalten kann, mit denen Echo in den Raum hinein hört, und eine weitere Taste mit der man Echo dazu bringt aktiv Befehle entgegen zu nehmen. 

Da die zentrale Funktion von Alexa die Verarbeitung von Sprachbefehlen ist, hört das Gerät auch ständig mit. Nur so kann Amazons Echo permanent bereit sein und Anweisungen ausführen. Um zu etwas mehr Privatsphäre zu erhalten, kann man dafür mittels Tastendruck die Mikrofone ausschalten. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob man damit wirklich die Mikrofone ausschaltet, oder Echo nur die Ausführung der Befehle unterbindet. Ich muss das man mit einem Paket-Tracker überwachen. Dazu werde ich später man was schreiben.

Ist das Mikrofon aktiv, oder man hat die Taste für die Befehlsannahme gedrückt, dann ist Echo bereit eine Anweisung entgegen zu nehmen. Dafür stehen vier Aktivierungsworte: AMAZON / ECHO / ALEXA / COMPUTER zur Verfügung aus denen man eines wählen kann. Sobald man dieses Aktivierungswort ausspricht erwacht Alexa und zeigt durch einen leuchtenden Ring, dass das Gerät bereit ist eine Anweisung zu empfangen. Der Ring leuchtet dunkelblau und an der Stelle an dem eines der Mikrofone aktiv ist hellblau. Damit sieht man aus welcher Richtung die erkannten Befehle kommen. 

Die Erkennung der Sprache funktioniert sehr gut. Besser als ich mir das vorgestellt hätte. Egal von wem die Anweisungen ausgesprochen wurden, konnte Alexa fast jeden Befehl korrekt erkennen. Es probierten meine Frau und ich, unsere Tochter, unser Sohn, der vierjährige Sohn unserer Nachbarn und noch einige andere Personen. Es spielte also keine Rolle wie die Aussprache war, jedoch tat sich Alexa ein bisschen schwer je höher die Tonlage der Stimme war. Als unsere Tochter mit piepsiger Stimme sprach wurde sie von Alexa ignoriert. Erst als sie mit ihrer normalen Stimme sprach klappte es. Was allerdings auffällt ist die abnehmende Erkennungsgenauigkeit mit zunehmender Lautstärke. Ab der Lautstärke 6 muss man schon fast schreiben um zum Echo durchzudringen. Da wir das Gerät aber im normalfall nicht bei dieser sehr hohen Lautstärke betreiben, ist das für uns eher kein Problem.

Natürlich erkennt Alexa nicht alle Befehle korrekt. Dazu kann man allerdings in der Alexa-App bestätigen ob die Befehle korrekt erkannt wurden oder nicht. Wurde ein Befehl falsch interpretiert, dann kann man ein detailliertes Feedback an Amazon senden.  Auch wenn es vielleicht ein bisschen mühselig erscheint für jeden falsch ausgeführten Befehl ein Feedback zu schreiben, so ist es langfristig doch eine gute Sache. Auf diese Weise kann Amazon die Spracherkennung verbessern und in Zukunft eine noch sauberere Interpretation gewährleisten.

Wie bereits erwähnt lässt sich Alexa im Backend über die Website oder über die Smartphone-App konfigurieren und überwachen. Hier kann man neben den Standort-Einstellungen und dem WLAN vor allem die Skills auswählen und aktivieren. Das sind im Prinzip Apps für die auf Spracheingaben durch die Verwendung des Echo ausgelegt sind. Diese werden immer mehr und betreffen bereits einige Bereiche. Außerdem kann man die aktuelle Wiedergabe steuern und die Lautstärke anpassen. Das ist auch ganz praktisch, wenn Alexa im Kinderzimmer oder im Schlafzimmer eingesetzt wird. So kann man die Steuerung auch bedingt ohne Sprachbefehle durchführen. 

Was Alexa kann

Ein Kollege von mir hat den Echo und benützt ihn zur Wiedergabe von Musik über Amazon Music Unlimited. Das ist zwar auch nicht schlecht, einen Amazon Echo braucht man dafür aber nicht. Da gäbe es günstigere Alternativen.

Ich würde mal sagen, dass man mit dem derzeit angebotenen Funktionsumfang schon so was wie einen Mehrwert hat, ich aber durchaus gespannt bin was in Zukunft noch geboten wird. Bislang probierten wir schon ein paar Dinge aus, die uns im täglichen Leben unterstützen.

Da wir eine vierköpfige Familie mit unzähligen Terminen sind zahlt sich bei uns eine Verknüpfung mit unserem Google-Kalender wirklich aus. Da bei uns jedes Familienmitglied seinen eigenen Kalender verwendet, die jedoch alle miteinander verknüpft sind, reicht es einen der Kalender mit Echo zu verbinden.

  • "ECHO - Welche Termine haben wir am kommenden Montag?"
  • "ECHO - Wie wird das Wetter nächste Woche?"
  • "ECHO - Welche Kinofilme spielt es morgen in der Nähe?"
  • "ECHO - Erstelle einen Termin am 28.1.2017 um 15:30 mit dem Titel Kino Monster Trucks!"
  • "ECHO - Stell den Wecker auf morgen um 5:50"
  • "ECHO - Spiel TuneIn Ö3"
  • "ECHO - Spiel die Playlist Musical"
  • "ECHO - Wie viele Einwohner hat Österreich?"
  • "ECHO - Wie groß ist New York City?"
  • "ECHO - Füge der ToDo Liste den Eintrag Pension Reiter anrufen hinzu"
  • "ECHO - Lautstärke 5" (Man kann zwischen 1 und 10 wählen) 
  • "ECHO - lauter / leiser / weiter / zurück / stopp / Zufallswiedergabe / wiederholen / ..."

Das waren einige der Befehle und Fragen die wir ausprobierten. Natürlich gab es da noch viele mehr, aber das Haupteinsatzgebiet liegt für uns in der Wiedergabe von Radiosendern und Amazon Music, der Verwaltung unserer Termine im Google Kalender, Wetter- und Verkehrsmeldungen sowie Nachrichten und Sportnews.

Alexa kann erstaunlich gut das Wesentliche aus den Sprachbefehlen filtern und tat in den meisten Fällen das, was wir von dem Gerät erwartet hätten. Lediglich bei Befehlen unserer Tochter kam es öfter mal zu Verwirrungen. Vor allem, wenn sie mit Alexa wie mit einem Baby sprach, oder zu stark lispelte. Das tut sie gerne, wenn ihr etwas peinlich ist. Und mit einem weißen Rohr mit Löchern zu sprechen ist anfangs etwas ungewohnt.

Wie Alexa klingt

Vordefinierte Texte klingen sehr natürlich. Werden Informationen aus Freitexten, wie zum Beispiel Termine aus dem Terminkalender vorgelesen, dann wird die Sprachausgabe schon mal etwas holprig. Das ist dann vergleichbar mit der Sprachausgabe von Navigationsgeräten.

Bei der Musikwiedergabe spricht Amazon ind er Artikelbeschreibung von einem dualen Downfire-Lautsprechern mit besonders dynamischem Bass. In Realität klingt der Lautsprecher für ein Gerät dieser Größe wirklich sehr gut, wenngleich man natürlich sagen muss, dass Bose es dann doch noch um eine Klasse hochwertiger schafft. Dass man diesen Unterschied beim Preis merkt ist jedoch auch nicht von der Hand zu weisen. 

Also würde ich dem Amazon Echo bei einem guten Aufstellort wirklich einen raumfüllenden und sehr dynamischen Sound attestieren. Auch Bässe liefert das kleine Sound-Rohr. Jedoch darf man sich keine Wunder erwarten von einem Gerät da gerade mal etwas mehr als 8 cm Durchmesser aufweist. Vor allem bei höheren Lautstärken wird der Klang etwas blechern, da dann der eingebaute Woofer zu scheppern beginnt (bei basslastigen Sounds etwa ab Lautstärke 7).

Grundsätzlich erfüllt der Sound unser Wohnzimmer inkl. offener Küche. Das sind immerhin rund 50 Quadratmeter. Somit ist die Leistung wirklich zufriedenstellend. 


Was derzeit noch etwas problematisch ist

Alexa lernt Deutsch. Das klingt zwar komisch, bringt es aber auf den Punkt. Wenn man die Sprache des Echo umstellt und das Gerät auf Englisch benützt, dann merkt man derzeit noch gravierende Unterschiede. Mal abgesehen davon, dass ich die Sprachausgabe des "English (United Kingdom)" kaum verstehe und daher "English (United States)" wählte.

Spricht man mit Alexa Englisch, dann kann sie mehr Eingaben interpretieren, findet mehr Antworten auf Fragen und ist vor allem bei der Musikauswahl akkurater. Vor allem Letzteres liegt daran, dass ein Großteil internationaler Musiktitel in englischer Sprache mit entsprechenden englischen Titeln vorliegt. So findet Alexa auf Englisch mit dem Befehl "ECHO - play if then musical" das Broadway Musical If/Then oder mit "ECHO - play hello o.m.g" den entsprechenden Song. Auf Deutsch enden die Suchanfragen "ECHO - spiel if then Musical" mit der Wiedergabe von What if von Kate Winslet und "ECHO - spiel hello von O.M.G" mit Hello 'Ma von Gems Geneva.

Auch findet die deutsche Suchanfrage den Namen des aktuellen Präsidenten der USA im Gegensatz zur Englischen nicht. 

Vor allem die Suche über die Suchmaschine BING ist leider auch nicht ganz glücklich gewählt. Ich bin halt einfach überzeugter Google-Sucher und kann mit BING nicht besonder viel anfangen. Vermutlich wären so manche Suchergebnisse besser, wenn sich Alexa mit Google besser verstehen würde. Da dies aber die direkte Konkurrenz ist, kann man vermutlich jegliche Hoffnung über einen Wechsel zur Google-Suche begraben.

Unser Zukunft mit Alexa

Das besondere und auch sehr große Projekt, das ich mir für die nächsten Monate mal vorgenommen habe, ist die Verbindung der Skills des Echo mit unserem KNX Bussystem des Hauses. Ich möchte versuchen so gut wie alle Beleuchtungen und Rollos über den Echo steuern zu können. Sobald ich da einen Schritt weiter gekommen bin, werde ich ein entsprechendes Tutorial online stellen, da ich glaube, dass in naher Zukunft mehr Bedarf an der Verknüpfung von KNX mit Amazons Echo bestehen wird. Es gibt schon einige Lösungen wie sich der Homeserver von GIRA mit Amazons Alexa verbinden lässt. Diese sind jedoch alle Homebrew-Lösungen denen ich noch nicht sonderlich vertraue. Mein Misstrauen bezieht sich dabei hauptsächlich auf die Tatsache, dass mein komplettes Haus dann übers Internet gesteuert werden kann, und ich etwas skeptisch bin, wenn die Lösung einen Hack eines bestehenden Systems erfordert.

FAZIT

Ursprünglich dachte ich, dass der Echo eine weitere technische Spielerei ohne besonderen Mehrwert sein wird. Die ersten Tage mit dem Gerät haben mich jedoch eines Besseren belehrt, denn das Gerät kann bereits jetzt viel mehr als ich mir davon erwartete. Auch wenn derzeit die Verwendung an manchen Stellen noch etwas holprig erscheint, so funktionieren die meisten Anwendungen doch sehr ordentlich. Vom Kalenderabruf bis zum Eintrag neuer Termine, von Radiosendern über Amazon Music bis hin zu Nachrichten, Verkehrs- und Wetterinformationen, der Amazon Echo ist gut integriert und bietet für alle Familienmitglieder Informationen und Unterhaltung. Das Ganze geht einfach und unkompliziert und zu einem halbwegs vernünftigen Preis. Somit hat mich Alexa überzeugt. Auch meine Tochter war so überzeugt davon, dass sie sich gleich selbst einen Echo Dot bestellte.

5 von 5 Sternen


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