Mittwoch, 28. Dezember 2016

TomTom Adventurer

Alle Jahre wieder kommt das Christkind (zumindest zu einigen von uns, wenn sie brav waren). Ich war wohl brav genug für eine TomTom Adventurer
in stylischem Orange inklusive passendem TomTom Sport Headset für die musikalische Untermalung.

Mit der Adventurer hat man ein funktional umfangreiches Stück Technik am Arm, das aber nicht mal annähernd so voluminös und wuchtig ist wie eine Suunto Ambit 3 Peak. Den Vergleich ziehe ich erst mal wegen des vergleichbaren Verkaufspreises. Natürlich lassen sich diese beiden Uhren nicht direkt vergleichen. Zum einen weil mir die Suunto-Fans vermutlich in einer dunklen Gasse auflauern würden, wenn ich behaupten würde, dass man von einem Auto-Navigationsspezialisten einen ordentlichen Sporttracker bekommen kann und zum anderen, weil sich die Funktion doch etwas unterscheiden.

Mir persönlich ist es eigentlich wurscht von welchem Hersteller der Tracker kommt, weil ich nicht zu den klassischen Fan-Boys gehöre die ihrer Marke folgen, was auch immer sich die jeweiligen Marketingstrategen einfallen lassen. Mit jeder Generation besitze ich ein Smartphone eines anderen Herstellers (mittlerweile mit dem OUKITEL U15 sogar völlig No-Name) und letztendlich ist es eine Frage von Funktionalität, Design und Preis.


Zurück zur TomTom Adventurer. Diese Uhr kam in einer netten Box in der sie gut sichtbar über einen Plastikzylinder gespannt war. Im Lieferumfang waren neben der Uhr auch noch ein spezielles USB Ladekabel ohne Netzteil und ein mehrsprachiges Benutzerhandbuch.

Funktionsumfang

Die Uhr kann einiges von dem man unter Umständen nie Gebrauch macht, aber im Grunde ist alles dabei was man benötigt, um vom Handy befreit unterwegs zu sein (außer wenn man telefonisch erreichbar sein will/muss)

  • Ortung basierend auf GPS, Kompass und Barometer 
  • eingebaute optische Herzfrequenzmessung über das Handgelenk
  • integrierter MP3-Player mit 3 GB Speicherplatz auf der Uhr und Bluetooth-Verbindung von Kopfhörern
  • Routenfunktion
  • Automatische Lifterkennung beim Tracking von Snowboard- und Skiabfahrten
  • 12 unterschiedliche Sportmodi

  • Wasserdicht bis 40 Meter
  • Akkulaufzeit bis zu 20 Tage abhängig von der Nutzung
  • beleuchtbares Monochrom-Display
  • Bluetooth-Verbindung für die Synchronisation mit dem Smartphone
  • Bedienung über Steuerwippe auch mit Skihandschuhen möglich
  • Automatische Einstellung der Uhrzeit über GPS
  • Austauschbares Silikon-Armband


Sportmodi


  • Laufen: Anzeige von Herzfrequenz, Geschwindigkeit, Tempo, Distanz, Anstieg, Neigung, Dauer, verbrannten Kalorien, grafischer Routenanzeige und vorinstallierten Routen.
  • Laufband: Anzeige von Herzfrequenz, Tempo, Distanz, verbrannten Kalorien und Dauer.
  • Trail-Running: Anzeige von Herzfrequenz, Höhe, Delta-Höhe, Anstieg, 3D-Distanz, Geschwindigkeit, durchschnittlichem und aktuellem Tempo, verbrannten Kalorien, Dauer, grafischer Routenanzeige und vorinstallierten Routen.
  • Wandern: Anzeige von Herzfrequenz, Höhe, Δ Höhe, Anstieg, 3D-Distanz, Geschwindigkeit, durchschnittlichem Tempo, verbrannten Kalorien, Dauer, grafischer Routenanzeige, vorinstallierten Routen und verlängerter Akkulaufzeit (über 20 Stunden)
  • Radfahren: Anzeige von Herzfrequenz, Geschwindigkeit, Tempo, 3D-Distanz, Neigung, Anstieg, verbrannten Kalorien, Dauer, grafischer Routenanzeige und vorinstallierten Routen (Kadenz – über einen optionalen Kadenzmesser)
  • Ergometer (Indoor-Radfahren): Anzeige von Herzfrequenz, verbrannten Kalorien und Dauer (Kadenz, Geschwindigkeit, Tempo und Distanz – über einen optionalen Kadenzsensor).
  • Schwimmen: Anzeige von Länge, Distanz, Geschwindigkeit, Dauer, verbrannten Kalorien und Schwimmzügen
  • Skifahren: Anzeige von Herzfrequenz, Abstieg, Anzahl der Abfahrten, Distanz, Dauer und Geschwindigkeit. Dank der automatischen Lifterkennung kannst du dir die maximale Geschwindigkeit, den Abstieg und die maximale Neigung deiner letzten Ski- oder Snowboardabfahrt während der Liftfahrt ansehen.
  • Snowboarden: Anzeige von Herzfrequenz, Abstieg, Anzahl der Abfahrten, Distanz, Dauer und Geschwindigkeit. Dank der automatischen Lifterkennung kannst du dir die maximale Geschwindigkeit, den Abstieg und die maximale Neigung deiner letzten Ski- oder Snowboardabfahrt während der Liftfahrt ansehen.
  • Fitnessstudio: Anzeige von Herzfrequenz, Dauer und verbrannten Kalorien.
  • Freestyle: Anzeige von Herzfrequenz, Höhe, Delta-Höhe, Neigung, Anstieg, Abstieg, Geschwindigkeit, Tempo, 3D-Distanz, verbrannten Kalorien, Dauer, grafischer Routenanzeige und vorinstallierten Routen.
  • Stoppuhr


Inbetriebnahme

Grundsätzlich war der Akku vorgeladen, aber nur auf etwa 50% der Kapazität. Also steckte ich die Uhr an einem 1A USB-Anschluss an um den Akku erst mal voll aufzuladen. Das dauerte etwa zwei Stunden bis auf dem Display das Ladesymbol nicht angezeigt wurde.

Um die Uhr benutzen zu können sollte man sie über die MySports PC App auf die aktuellste Firmware-Version bringen. Hier kann dann auch die Registrierung der Uhr durchgeführt werden. Der Vorgang ist einfach und selbsterklärend. Updates können auch nur über den PC durchgeführt werden. Über die Smartphone-App wird man lediglich informiert, dass es eine neue Version gibt.

Die App für das Smartphone gibt es sowohl im iTunes Appstore als auch im Google Playstore. Da ich ein Android Smartphone verwende konnte ich nur dort die Kompatibilität beurteilen. Sowohl auf meinem Samsung S5 als auch auf den NoName-China Smartphones lief die App problemlos.

Über den TomTom-Account wird die App mit den Anwendungen auf der MySports-Website von
TomTom synchronisiert.

Um nun die Uhr und die Website zu verknüpfen braucht man die App, denn über diese werden beispielsweise die Routen auf die Uhr hochgeladen. Zudem werden die Aktivitäten übersichtlicher auf der Website dargestellt.

Steuerung

Hier dürften die Meinungen am meisten auseinander gehen. Schlechte Kritiken die ich im Vorfeld über die Uhr gelesen habe bezogen sich sehr häufig auf die Steuerung über die Wippe am Uhrband der Fitness-Uhr. Offensichtlich bereitet diese Art der Steuerung vielen Leuten echte Probleme.

Das funktioniert allerdings eigentlich recht einfach und auch intuitiv, wie ich persönlich finde. Allerdings war ich diese Art der Bedienung bereits von meiner TomTom Bandit ActionCam gewohnt und fand mich dadurch sehr schnell damit zurecht.

Im Prinzip läuft es einfach. Es gibt bei der Wippe vier Richtungen (auf/ab/links/rechts). Wir nun um Hauptscreen (dort wo die Uhr angezeigt wird) die Wippe nach Oben gedrückt, dann kommt man in die Bluetooth-Suche für die Verbindung eines Headsets. Wippt man nach Unten, so öffnet sich das Menü für die Einstellung der Uhr. Dort lassen sich Informationen über den Zustand des Akkus und der GPS-Verbindung ebenso abrufen, wie die Profileinstellungen (Größe, Gewicht, Geschlecht, etc.), die Uhrzeit sowie Tracker-Ziele festlegen. Außerdem findet man dort die Sensor-Konfiguration für eine Verbindung mit Radsensoren und die Verbindungsmöglichkeit für ein Smartphone sowie noch einige andere Optionen vor.

Mit der Auf- und Abwippe wählt man die gewünschte Option und durch einen Klick nach Rechts bestätigt man die Auswahl. Klickt man nach Links, so geht man zurück ohne die Auswahl zu bestätigen.

Klickt man im Hauptscreen nach Links, so kann man sich die tägliche/wöchentliche Schrittzahl, verbrauchte Kilokalorien, Ruhezeit, zurückgelegte Strecke und Zeit in Bewegung anzeigen lassen. Mit der rechten Wippe kommt man in die Auswahl der Sport-Modi und entsprechend in den Start des jeweilig gewählten Modus.

Es ist also eigentlich ganz logisch aufgebaut und nach kurzer Eingewöhnung auch recht intuitiv zu bedienen. Ich finde ohne nachzudenken sofort die gewünschte Funktion und komme mit der Navigation sehr gut zurecht.

Tracking

Die eigentliche Funktionalität dieser Uhr ist ja das Tracking von sportlichen Betätigungen. Die ersten Versuche machte ich wetterbedingt zuhause mit Fitness-Einheiten. Hier erkannte die Uhr meine Herzfrequenz zuverlässig mit nur sehr geringen Abweichungen im Vergleich zu einem geeichten Messgerät. Allerdings muss das Armband der Uhr dafür wirklich straff sitzen, da sonst die optische Erkennung ungenau wird.

Bei meinem Versuch die Uhr für eine Laufstrecke zu verwenden fiel mir eine etwas langsame Positionierung des GPS auf. Das mag vermutlich regional unterschiedlich sein, aber in meinem Fall brauchte die Uhr etwa eine Minute bis ich die Aktivität starten konnte, da bis dahin das Signal zu gering war um eine genaue Positionierung zu gewährleisten. Wenn die Uhr dann ausreichend GPS-Signale zum Triangulieren hat, ist die Erkennung der Position dafür sehr genau und akkurat.

Während der Aktivität kann man zwischen den unterschiedlichen Messwerten switchen und bekommt die wichtigsten Informationen gut leserlich dargestellt. Bei Überschreitung der einstellbaren Warngrenze für die Herzfrequenz alarmiert die Uhr und erinnert daran, sich innerhalb der Grenzen zu bewegen.

Nachdem man die Aktivitäten aufgezeichnet hat, kann man diese mit dem Smartphone synchronisieren und dort in der App oder noch besser auf der Website sehr übersichtlich und in Farbe darstellen. Natürlich bekommt man die Infos auch über das Display der Uhr. Aber zugegebener Maßen ist dieses nicht wirklich für eine statistische Auswertung konzipiert.

Musicplayer

Was darf man sich erwarten von einem derartigen Musicplayer. In diesem Fall leider nicht besonder viel. Es gibt zwar Platz für über 700 songs auf dem 3 GB großen Speicher, die aber nur Sinn machen, wenn man die Musik zuvor in Playlisten organisiert hat. Nur die Playlisten kann man auswählen. Ordner oder Ähnliches lassen sich nicht anwählen. Wenn man keine Playlist erstellt hat, dann werden die Songs in einer zufälligen Reihenfolge abgespielt. Soweit ist alles eigentlich OK.

Ein negativer Punkt ist für mich die Tonqualität, da die Musik unabhängig vom verwendeten Kopfhörer sehr höhenlastig ist und damit ziemlich unangenehm klingt. Dieser Effekt wird noch verstärkt durch die übersteuerte Lautstärke mit der das Signal an den Kopfhörer gesendet wird. Dadurch klingt die Musik selbst bei geringer Lautstärke, die man soweit ich das erkennen konnte nur am Kopfhörer einstellen kann, blechern und kratzig, also nicht besonders harmonisch.

Grundsätzlich mag das für die Nutzung im Sportbetrieb reichen, aber wirklich überzeugen kann mich das nicht.

Routen anlegen und verwenden

Eine interessante Funktion ist die Routenführung, die gerade im unbekannten Terrain eine große Hilfestellung bieten kann. Beispielsweise beim Wandern oder bei Skitouren ist diese Funktion sehr praktisch und kann unter Umständen verhindern, dass man vom geplanten Weg abkommt. Soweit ist das ja ganz cool.

Um  Routen auf die Uhr zu bekommen genügt es auf der MySports Website einen Upload der Routen zu machen. Dort kann man die Routen auch verwalten und ansehen. Es können GPX-Dateien hochgeladen werden. Und dort liegt dann auch das größte Problem der Routen-Funktion, denn man muss erst mal entsprechende Routen finden. Bei der Suche im Internet findet man beispielsweise Routen für Skitouren mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Will man aber selbst eine Route anlegen, dann wird es schon ein bisschen schwierige, da von TomTom kein entsprechendes Tool zur Verfügung gestellt wird.

Um nun eigene Routen zu erstellen un diese für die Uhr aufzubereiten muss man einen kleinen Umweg gehen und die Planung beispielsweise auf Google-Maps machen. Das geht allerdings nicht auf dem normalen Weg, sondern nur, wenn man auf Google angemeldet ist. Da ich ein Gmail-Konto habe ist das kein Problem gewesen. Also öffnete ich die Seite  Google My Maps und erstellte dort eine neue Karte. Wenn man sich ein bisschen spielt, dann hat man in wenigen Minuten eine Wunschroute erstellt und gespeichert.

Im nächsten Schritt muss man die Route exportieren und in das richtige Format bringen. Dazu muss man zuerst links unter den drei Punkten das Submenü anzeigen und dort 'In KML exportieren' auswählen. Danach wird die Routendatei auf dem PC gespeichert.

Sobald man das gemacht ha steht einem die Route lokal offline zur Verfügung. Jedoch ist sie im KML-Format gespeichert und kann daher nicht direkt auf der TomTom Adventurer verwendet werden. Damit man sie dort nutzen kann, muss das Dateiformat in GPX konvertiert. Das kann man einfach auf der GPSies Seite on the Fly machen lassen. Dazu muss man dort nur das Route-File hochladen und erhält ein entsprechend konvertiertes GPX-File. Dieses kann man nun endlich über die MySports Website auf die Uhr hochladen, wenn die Uhr über ein Smartphone verbunden ist. Das Ganze klingt etwas umständlicher als es letztendlich ist. Allerdings muss man sich ein bisschen damit beschäftigen. Es ist eben nicht Drag&Drop sondern erfordert ein paar Schritte dazwischen.

Endlich kann man die Route auf der Uhr bei den entsprechenden Sport-Modi (wie zB. Laufen, Wandern, Radfahren, Skifahren, Snowboarden, Freestyle, Traillauf ) auswählen und sich leiten lassen.

FAZIT

Obwohl ich bereits vor vielen Jahren aufhörte Uhren zu tragen, weil ich auf Grund der Allgegenwart des Smartphones eigentlich keine Uhr mehr brauchte, brachte mich die TomTom Adventurer nun doch wieder dazu regelmäßig eine Armbanduhr anzulegen. Obwohl ich mich nach wie vor nicht dazu überwinden kann die Uhr auch nachts zu tragen um eine Aufzeichnung meiner Erholungsphasen zu machen. Das geht mir dann doch zu weit.

Die Adventurer bietet einen sehr umfangreichen Funktionsumfang ausgehend vom Schrittzähler über den Fitness- und Sporttracker bis hin zum MP3-Player und Routenführung. Das Ganze gut verknüpft mit der leicht zu bedienenden Smartphone-App und dem MySports Webportal auf dem man die Einstellungen ebenso übersichtlich durchführen kann wie man Auswertungen der aufgezeichneten Aktivitäten anzeigen kann.

Für mich besticht die Uhr im mehrwöchigen Test nun durch:
+ einfache Bedienbarkeit über die seitliche Wippe
+ auch für mich noch gut lesbares Display (altersbedingt werden meine Augen auch nicht besser)
+ lange Akkulaufzeit von über zwei Wochen bei normaler Nutzung (4 x 35 Minuten Laufen mit GPS, 6 x 25 Indoor-Fitness ohne GPS) ohne Bluetooth-Einsatz
+ sehr genauer Schrittzähler mit realitätsnaher kcal- und Entfernungsberechnung
+ Pulserfassung optisch am Handgelenk sehr genau ohne nennenswerte Abweichung zum geeichten Messgerät
+ Routenführung für Skitouren oder beim Wandern sehr praktisch
+ wirklich cool ist die Skilift-Erkennung. Das funktioniert erstaunlich gut. Die Werte sind auch viel genauer als bei der Aufzeichnung über Skiline.cc

Weniger überzeugt bin ich von:
- schlechter Klang des eingebauten MP3-Players
- umständliche Routenerstellung
- das orange Uhrband war nach wenigen Tagen bereits an den Rändern dunkel verfärbt. Diese Verfärbungen gehen nicht wieder raus. Ich werde mir wohl noch ein dunkles Armband dazu nehmen und das orange austausche, obwohl mir das poppige besser gefallen würde.

Wichtigster Grund für mich diesen Sports-Tracker zu wählen war im Großen und Ganzen die Skilifterkennung, weil ich wirklich viel Ski fahre. Außerdem ist die Akku-Laufzeit wirklich gut. Was die Uhr nicht kann ist Nachrichten oder Telefonate vom Telefon am Display anzuzeigen. Zumindest hätte ich eine entsprechende Funktionalität nicht gefunden. Als Smartwatch wird sie also nicht herhalten können. Echte Sportler können auf derartige Funktionen allerdings ohnehin gut verzichten.

5 von 5 Sternen


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