Montag, 17. Oktober 2016

EleCam 360 Vollsphärenkamera

Vor ziemlich genau 17 Jahren begannen wir damit digital zu fotografieren. Damals wurden wir wegen der schlechten Qualität der Aufnahmen und der doch eher einfachen Objektiv-Technik belächelt. Mittlerweile gibt es kaum noch Fotoapparate die mit Kleinbildfilmen eingesetzt werden und selbst die besten Fotografen haben sich mit der digitalen Fotografie angefreundet.

Der große Vorteil, den wir nun haben ist, dass wir unsere Fotos mit Sicherheit häufiger ansehen, als wenn wir sie in analoger Form vorliegen hätten. Egal ob sie im digitalen Bilderrahmen per Zufallsauswahl angezeigt werden oder ob uns eine App anbietet die Bilder "Heute vor .... Jahren" anzusehen, wir bekommen unsere Erinnerung auf jeden Fall häufig zu sehen.

Nun gab es in letzter Zeit einen Trend dazu, möglichst viele Aktivitäten per Action Cam festzuhalten. Natürlich machten wir hier auch bedingt mit, aber nicht ganz so exzessiv wie andere, weil Erinnerungen an eine Skiabfahrt sich kaum ändern, egal ob ich die Abfahrt ein Mal oder 30 Mal mitfilme. Trotzdem bin ich immer interessiert an neuen Entwicklung.

Für eine bevorstehende Städtereise  nach New York City plante ich daher die Anschaffung einer Vollsphärenkamera. Warum? Nun ja, es geht mir dabei wieder einmal um Erinnerungen, die auch in vielen Jahren noch speziell sein sollten. Fotos werden wir mit dem Handy machen, denn hier ist die Auflösung meist schon ausreichend und wir wollen ja vermutlich keine Poster von den Aufnahmen herstellen lassen. Fotos können aber gewisse Dinge nicht festhalten. Unser Plan ist es, und dessen Umsetzung hängt dann leider sehr stark vom Wetter ab, die Wege in New York mit dem City Bike anstatt mit der U-Bahn zurück zu legen. So bekommt man viel mehr von der Stadt zu sehen als bei der Fortbewegung im Untergrund. Allerdings erfordert der Stadtverkehr eine hohe Aufmerksamkeit und lässt das Umherschweifen des Blicks eigentlich nicht wirklich zu. Also dachte ich mir, dass eine Video-Aufnahme der Fahrten mit einer Panoramakamera perfekt wäre, um sich nachher die Umgebung in einer VR Brille in Ruhe ansehen zu können.

Die Idee war geboren und die Umsetzung stand aus. Zuerst wollte ich mir die Gear360 kaufen, was aber am exorbitant hohen Preis scheiterte. Also suchte ich nun schon lange nach einer leistbaren Alternative und dachte schon nicht mehr daran eine zu finden bis die Reise los ginge. Mit der EleCam 360 kam aber dann doch noch eine günstigere Alternative auf den Markt, und ich konnte ein paar Versuche damit starten.

Geliefert wurde die Kamera für Amazon typisch innerhalb eines Tages. Die Kamera inklusive Zubehör war sehr kompakt, in einem ansehnlichen Karton verstaut.
Im Lieferumfang enthalten waren:

* die 360° Kamera mit eingebautem Akku
* eine 32GB Micro-SD Karte
* eine Halterung für die Montage an einer Stange (zB. Fahrrad-Lenker)
* eine Halterung mit Textilband
* ein Adapter für die Verwendung von GoPro-Zubehör
* ein Micro USB Ladekabel
* ein einfaches Tripod-Stativ
* eine englischsprachige Betriebsanleitung
* ein Stift für den Reset der Kamera


Erster Eindruck

Auf den ersten blick wirkt die Kamera wie eine Action Cam bei der an der Rückseite statt einem LC-
Display einfach ein weiteres Objektiv eingebaut wurde. An der Oberseite befinden sich neben einem einfachen Display die Tasten zum Ein/Ausschalten, für die Aktivierung des WiFi (wird auch für das Menü verwendet) und ein Auslöser. Seitlich ist dann unter einem Deckel der Slot für die TF-Karte, der Micro-USB Anschluss und das Loch unter dem sich der Reset-Knopf befindet versteckt.

Die Kamera hat mit knapp über 100 Gram ein gutes Gewicht und ist nicht zu schwer. Sie fühlt sich wertig an und wirkt sehr gut verarbeitet. An der Unterseite befindet sich ein Stativ-Gewinde wodurch die Kamera sehr gut einsetzbar wird.


Die Bedienung

Einfach und doch kompliziert. Viel kann man bei dieser Kamera nicht konfigurieren. Dadurch wird die Bedienung auch wirklich sehr einfach gehalten. Ein/ausschalten kann man die Kamera indem man den Power-Button für etwa 3 Sekunden drückt und hält. Drückt man den Knopf kurz, dann wird zwischen Video- und Fotoaufnahme hin und her geschaltet.

Über einen kurzen Druck auf den WiFi-Button aktiviert oder deaktiviert man das WiFi und drückt man den Knopf lang, dann kommt man ins Konfigurationsmenü. Dort zu navigieren und Einstellungen zu verändern ist ein bisschen mühsam, aber unerlässlich, weil man die Parameter nicht über die App ändern kann. Allerdings lassen sich dort ohnehin nur das Datum, die Uhrzeit, die Displaysprache und das Wlan-Passwort ändern. Außerdem kann man die Aktivierung des Energiesparmodus dort einstellen. Standard ist 1 Minute Inaktivität.

Der Auslöser lässt sich nicht konfigurieren und löst sofort aus, wenn der Knopf gedrückt wurde. Das ist absolut unpraktikabel, da man auf diese Weise auf den Fotos immer die Hand und die Finger im Bild hat. Selbst bei Videos finde ich es nicht besonders prickelnd, wenn man beim Start und Ende der Aufnahme die Hand sieht. Das lässt sich nur durch die Nutzung der App zur Steuerung umgehen.

Die App

Womit wir bereits bei der App angelangt wären. Im Manual wird auf die EleCam App verwiesen. Diese ist aber gelinde gesagt unbrauchbar, denn man kann mit dieser App die Aufnahmen nicht direkt teilen, sondern muss sie zuerst auf einen PC laden um sie dort mit dem EleCam Converter ins richtige Format zu bringen.

Mit der SYVR360 App bekommt man zumindest dieses Problem gelöst, da diese App die Aufnahmen bereits beim Download von der Kamera entsprechend bearbeitet. Damit kann man dann die Aufnahmen direkt auf FB, You Tube und Co. direkt posten. Das klappte bei Videos perfekt. Was ich allerdings nicht hinbekommen habe ist das Posten von 360° Fotos. Diese wurden einfach nicht als solche erkannt, was angeblich an den fehlenden Metadaten liegen soll. Keine Ahnung wie das geht, bei mir bleiben die Aufnahmen auf jeden Fall platt, wenn sie gepostet sind.

Grundsätzlich lassen sich über die App Fotos und Videos aufnehmen und von der Kamera herunter laden. Sie ist einfach zu bedienen und kann nicht viel.

Die Aufnahmen

Für manche ist die Qualität der Aufnahmen der größte Kritikpunkt. Das kann ich allerdings nur bedingt nachvollziehen, denn was einem bei Vollsphärenaufnahmen klar sein muss ist, dass die Auflösung sich nicht auf das sichtbare Bild bezieht, sondern auf das komplette Bild durch das man virtuell navigieren kann. Das bedeutet, dass auch der nicht sichtbare Bereich mitgerechnet wird. Videos werden bei der Elecam 360 mit 1920*1080P@30FPS erstellt. Hat also eine Action Cam eine Auflösung von 1080p, dann hat man einen sichtbaren Bereich mit 170° Betrachtungswinkel. Bei der EleCam 360 sind es bei gleicher Auflösung 2 x 220° Betrachtungswinkel, weil ja das Gesamtbild aus zwei Aufnahmen zusammen gesetzt wird. Daher würde ich sagen, und das habe ich nicht berechnet, dass die sichtbare Aufnahme nur etwa 1/3 der Pixeldichte haben kann wie eine Aufnahme einer Action Cam mit gleicher Auflösung. Und das sieht man.

Das Problem kann nur durch entsprechend leistungsstarke Bildsensoren gelöst werden, die natürlich erheblich höhere Kosten verursachen würden. Daher meine ich, dass es derzeit kaum möglich sein wird in diesem Preisbereich eine entsprechend hochwertige Auflösung zu erhalten.

Fotos werden in der Auflösung  3008*1504 gespeichert. Das sind 4,52 Megapixel, also nicht unbedingt das, was man heutzutage von Kameras gewohnt ist. Dafür bekommt man über 2.500 Fotos auf eine Speicherkarte mit 32GB. Das ist ja auch schon was.

Die Aufnahmen der vorderen und der hinteren Linse werden später elektronisch zusammen gesetzt. Das kann entweder in der SYVR360 App oder über den EleCam 360 Video Converter erfolgen. In beiden Fällen nennt man den Vorgang Stiching, und es kommt auch in beiden Fällen zu einer leichten Überlagerung der Aufnahmen im Nahtbereich. Dort erkennt man dann Ungenaugigkeiten. Damit kann ich aber an Betracht des Preises durchaus leben. Würde ich die Kamera beruflich einsetzen, dann wäre mir sowohl die Auflösung als auch das ungenaue Stiching ein Dorn im Auge. In diesem Fall müsste man eben zu einer wesentlich teureren Lösung greifen.



Bei schlechten Lichtverhältnissen wird das Bild schnell unscharf und pixelig. Auch bei künstlichem Licht tut sich dieses Kamera ein bisschen schwer, obwohl man den Weißabgleich über die App einstellen kann. Dafür liefert die Kamera bei hellem Licht und vor allem bei Tageslicht ziemlich gute Aufnahmen.

Das erste Video wurde bei wolkigem Wetter und diffusem Licht aufgenommen. Vor allem an der Straße erkennt man dann doch einen Hang zum Verschwimmen der Pixel. Auch die Schärfe lässt stark zu wünschen übrig. Allerdings ist alles drauf was man benötigt, um sich ein bild vond er Situation zu machen. In einigen Jahren werde ich für solche Erinnerungen dankbar sein :-)

Der Ton ist in jedem Fall übrigens sehr gut und nur bei starkem Wind (zB. Gegenwind beim Radfahren) getrübt. Dabei hilft es, dass die Kamera nur an einer Seite ein Mikrofon hat. Montiert man nun die Cam entgegen der Fahrtrichtung, minimieren sich die Windgeräusche drastisch.

Das Video am Fahrradlenker zeigt zum Einen die Probleme mit dem Stiching, weil die Nahtstellen eindeutig erkennbar sind. Zum Anderen bekommt man ein Gefühl dafür wie stark der Fahrtwind in das Mikrofon bläst, wenn bereits bei etwa 15km/h derartig laute Windgeräusche zu hören sind.



Zubehör

Mit dem mitgelieferten Zubehör ist man schon recht gut dabei, da sich die Kamera so aus einer Stange oder durch das Band relativ flexibel an vielen anderen Orten befestigen lässt. Vor allem der Montagewinkel für die Stange ist sehr praktisch, wenn man die Kamera am Fahrrad, Mototrrad, etc. verwenden möchte.

Ein interessantes Detail am Rande ist, dass auf der Cam ein blauer Pfeil aufgedruckt ist. Ich dachte, dass dies die Vorderseite der Kamera markieren würde. In Wirklichkeit dürfte es sich dabei aber um die Rückseite der Cam handeln, da die Aufnahmen vor dem Umwanden in VR an dieser Stelle getrennt sind.

Akkulaufzeit

Ein Schwachpunkt dieser Kamera ist der Akku, denn dieser fällt mit nur 1.400mAh nicht besonders üppig aus und ist nach einer knappen Stunde Betriebszeit erschöpft. Das wäre ja nicht besonders schlimm. Allerdings ist er fix eingebaut und kann nicht einfach gegen einen vollen Akku getauscht werden. Daher ist es besonders tragisch, dass das Aufladen des Akkus dann über 1,5 Stunden dauert.

Virtuelle Realität
Genau das ist nun der Punkt der für mich am interessantesten ist, weil ich ja nach dem Städtetripp die Stadt virtuell erkunden möchte. Dafür ist diese Kamera gemacht und auch wirklich geeignet. Dabei darf man nicht vergessen, dass die Auflösung etwas gering ist und die Aufnahmen daher in der VR Brille eben wie SD Aufnahmen wirken. Früher wäre das kein problem gewesen, doch heute mit all den HD und Ultra HD Devices fällt es natürlich stark auf, wenn die Darstellung der Videos und Bilder derart ungenau und leicht verschwommen ist. Für meine Zwecke recht es allerdings.

FAZIT

Beruflich würde ich diese Kamera nicht verwenden wollen, da die Bilder zu unscharf oder zumindest zu schlecht aufgelöst sind und die Nahtstellen zwischen den Bildern der beiden Objektive auch ungenau sind. Das mag natürlich auch an der Software liegen, die die Bilder zusammen setzt, aber wenn die Aufnahmen nicht 100% passen, dann wird es für die Software schwieriger.

Trotzdem finde ich, das man mit dieser Kamera ein solides Stück Technik erhält mit dem man sich mal in die Welt der Virtuellen Realität vorwagen und ein paar Aufnahmen im 360° Raum machen kann. Ist man erstmal hinein gekippt in die VR-Welt und hat man dann auch noch Gefallen an dieser mehr oder weniger interaktiven Art der Betrachtung gefunden, dann ist der Schritt zu einem teureren und vor allem besseren Modell vorprogrammiert. Als Einsteigermodell ist die EleCam360 jedoch wirklich sehr gut geeignet.

Für Urlaubserinnerungen und einen erweiterten Blick auf die Sehenswürdigkeiten ist diese Kamera mit Sicherheit eine gute Wahl. Und der Preis ist wohl als wirklich günstig zu bezeichnen.

Nur bei der App sollte man nicht auf die originale App setzen, sondern die SYVR360 nehmen, da diese ein direktes Teilen auf diversen Plattformen und auch das Sichern auf einem Online-Laufwerk erlaubt.

5 von 5 Sternen


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