Dienstag, 15. Dezember 2015

VicTsing Android 4.4 HD Mediaplayer als Set-Top-Box

Vorab zur Info: Wir verwenden nun seit über einem Jahr in unserem Haushalt unterschiedliche Mediaplayer zum Streamen. Im Wohnzimmer läuft ein Samsung Smart-TV bei dem die entsprechenden Apps (zum Teil eher schlecht als recht) integriert sind, in den Kinderzimmern verwenden wir Amazons Fire TV Stick und im Schlafzimmer steckt ein Google Chromecast am TV. Wir konnten also schon einige Erfahrungen mit derartigen Media-Playern sammeln. Jeder für sich hat seine Vor- und Nachteile. Auf die werde ich hier aber nicht näher eingehen.

Diese Android TV Box  bietet im Prinzip einen ähnlichen Funktionsumfang wie die zuvor erwähnten Sticks der großen Marken, jedoch in einer weitaus weniger Komfortablen Umsetzung. Somit gäbe es für mich keinen Grund für die Anschaffung dieser etwas teureren Variante, wenn da nicht folgende Argumente wären:

1. Sowohl Chromecast als auch Fire TV Stick verfügen über keinen LAN-Anschluss. Um aber MKV-Dateien größeren Umfangs ordentlich von einem NAS streamen zu können reichte das WLAN bei uns in den seltensten Fällen aus.

2. Ebenfalls bei keinem der Sticks kann man externe USB-Laufwerke direkt anschließen. Da es aber bei uns häufig vorkommt, dass wir Fotos von einem USB-Stick ansehen, ist das eine wünschenswerte Funktionalität.

3. Mit einen Bluetooth-USB Keyboard wie dem K400r von Logitech kann man diese Box wie ein normales Android Tablet verwenden.

Und damit hätten wir im Prinzip die aus meiner Sicht sinnvollsten Argumente für eine Android-TV-Box wie diese schon zur Sprache gebracht.

Geliefert wurde die Box wie immer schnell, was natürlich an Amazon liegt und noch kein Kaufgrund ist. Verpackt ist die Box in einer hübschen Schachtel in der Sie in eine Kunststoffschale gebettet ist.
Im Lieferumfang enthalten sind:

* die Android-TV-Box in schwarz
* eine Fernbedienung ohne Batterien (2 Stück AA-Batterien werden benötigt)
* ein Component-Kabel
* ein Netzteil
* eine englischsprachige Kurzanleitung

Was fehlt um die Box in Betrieb nehmen zu können ist:

* ein HDMI-Kabel
* Batterien für die Fernbedienung


Was ist in der Box?


Egal wie nett so ein Teil von Außen aussieht, auf die Inneren Werte kommt es letztlich an.
Folgende Hardware arbeitet in der kleinen Box:

* Rockchip RK3066 1,2GHz (Architektur: 4xARM Cortex-A7 @ 1,3 GHz)
* Das Board dürfte ein RK312x sein
* 1 GB RAM
* 1,91 GB Interner Speicher von dem bereits ab Werk 46% belegt sind)

* Es lässt sich keine Speichererweiterung in Form von SD-Karten hinzufügen (zumindest nicht ohne die Box zu öffnen...vielleicht gibt es auf dem Board einen Slot, denn in der Speicherliste wird Micro-SD angeführt)

* Diese Box verfügt über keinen zusätzlichen Soundchip und kann daher nur Stereo wiedergeben. DOLBY steht nicht zur Verfügung.

Anschlüsse 

Sämtliche Anschlüsse befinden sich auf der Rückseite.

* DC Power
* HDMI out
* RJ45 LAN
* 2 x USB 2.0
* Composit (Chinch Video / rechter und Linker Kanal)


Die Inbetriebnahme

Dieser Teil war schnell erledigt. Ich musste lediglich das Netzteil anstecken und das HDMI-Kabel mit der Box und dem Fernseher verbinden. Das Schwierigste bei der Inbetriebnahme war eine Steckdose zu finden in die das Netzteil hinein passte. Denn der Stecker des Netzteiles ist gut 5mm kürzer als herkömmliche Steckernetzteile die mit Smartphones mitgeliefert werden. Somit hält bei mir das Netzteil bei manchen Steckdosen einfach nicht und fällt aus der Dose raus.
Hat man diese kleine Hürde mal genommen, muss man nur noch den Schalter auf der Rückseite der Box auf 1 stellen und es geht schon los.

Die Einstellungen

Verwendet man die 'Einstellungen' vom Homescreen, dann sind die nicht ganz vergleichbar mit den Einstellungen auf einem Android-Tablet, weil es dann doch ein Wenig anders zu konfigurieren ist. Allerdings absolut kein Problem. Sollte das stören, dann gibt es die Möglichkeit unter 'APPS' auf die Android-Settings zurück zu greifen. Die sind dann wie beim Tablet üblich angezeigt und durchzuführen.

Das LAN ist so konfiguriert, dass es sich über einen DHCP (wenn vorhanden) die IP Adresse automatisch bezieht. Benötigt man das integrierte WLAN-Modul, dann muss man natürlich das richtige Netz und die dazugehörige Passphrase einstellen. Einer schnellen Verbindung mit dem Internet steht also nichts im Weg.

Auch die Sprache kann man sich auswählen, obwohl man sich das getrost sparen kann. Denn auch nach der Umstellung auf Deutsch war die Menüsprache Englisch. Und nicht nur das, sondern auch das Keyboard-Layout des externen Keyboards blieb beständig auf einer QWERTY-Einstellung (also auf einem Englischen Keyboard-Layout). Das ist insofern lästig, da man mit der Box ja auch im Internet surfen oder Facebook verwenden kann und dann durchaus schon mal gerne den einen oder anderen Umlaut einsetzt. Interessanter Weise veränderte sich das OnScreen-Keyboard allerdings schon, denn das zeigt dann das für uns gewünschte QWERTZ-Layout.

Natürlich lässt sich noch einiges mehr einstellen, aber wer schon mal ein Tablet mit Android in der Hand hatte weiß, dass man letztendlich in den meisten Fällen die Standardeinstellungen belässt.

Der erste Eindruck

Das Booten läuft in Rekordzeit. Nach dem Einschalten war die Box in nur 7 Sekunden im Home-Screen. Das ist wirklich schnell.
Sie läuft auf der Tablet-Variante von Android in der Version 4.4.4. Somit ist das Look & Feel ein Bisschen wie bei einem Android-Tablet, also alles irgendwie bekannt.

Mit der Fernbedienung lässt sich leicht zwischen den Apps am Homescreen navigieren, und wenn eine App angeklickt wird, dann sind die Ladezeiten absolut OK. Ich versuchte mich gleich mit dem Einrichten von Netflix und zwar noch ohne Keyboard und war mir sofort sicher, dass ich hier das letzte Mal versuchte eine Texteingabe ohne ein Keyboard zu machen. Zu diesem Zweck musste ich die Maus-Navigation nämlich auf Cursor umschalten und jeden einzelnen Buchstaben anwählen. Ein eingeschlafenes Gesicht an Betracht der geringen Cursor-Geschwindigkeit ist  noch das Geringste was einem hier erwartet. Lange Passwörter werden damit schnell zur Qual.

Wiedergabequalität

Bei uns liefen sämtliche Medien problemlos. Egal ob MP4, WMV oder MKV. Sogar ein speicherintensiver 3D-Film bzw. Spielfilme in HD-Qualität wurden als MKV ruckfrei und ohne Hänger wiedergegeben. Allerdings wie bereits angesprochen nur in Stereo. DOLBY 5.1 oder gar 7.1 findet man hier nicht.

Fernbedienung

Diese Fernbedienung ist höchst eigenartig, da ich zuvor noch nie eine FB für einen Mediaplayer
gesehen habe die weder eine PLAY noch eine STOPP Taste hat. Außerdem klapp zuweilen das Mapping nicht und es öffnen sich die Einstellungen wenn man auf TV klickt. Das liegt wohl daran, dass die Box natürlich keinen DVB-X Receiver eingebaut hat und TV-Kanäle nur über entsprechende Apps gestreamt werden können.
Ansonsten funktioniert die FB gut, liegt gut in der Hand und sieht auch nicht so billig aus wie andere bei vergleichbaren Geräten.

Die Apps

Es sind ja bereits einige Apps vorinstalliert. Zusätzlich kann man aber im Playstore sämtliche Apps herunter laden die es auch für normale Tablet-User gibt, wenn die Hardware-Voraussetzungen passen. Und genau hier wird es des Öfteren zu Problemen kommen, da die Box nur über einen Teil der Devices verfügt die ein normales Tablet aufweisen kann. Man bekommt bei vielen Apps den Hinweis, dass diese App für das Gerät nicht verfügbar ist (also nicht kompatibel).

++++ Chrome ++++
Einer der größten Vorteile im Vergleich mit einem Media-Stick liegt darin, dass man mit diesem Gerät vergleichbar mit einem PC oder einem Tablet surfen kann. Allerdings sollte man dazu über ein externes Bluetooth-Keyboard (am besten mit Touchpad) verfügen, da die Eingabe über die Fernbedienung so gut wie unmöglich ist. Die App startet schnell und läuft genau so gut wie am Tablet.

++++ Die Netflix-App ++++
Nachdem ich es, wie zuvor beschrieben noch ohne Keyboard, doch noch schaffte meine Mailadresse und das Passwort 'einzumausen' sah ich die Übersicht von Netflix. Erstaunlicher Weise waren die
Vorschaubilder auf Netflix ebenso schlecht aufgelöst wie die Streams selbst. Erklären kann ich mir das nicht, da laut Router die genützte Bandbreite ebenso hoch lag wie auf den anderen Devices wo die Bildqualität erheblich besser war. Ich vermute, dass auf der Box die Netflix-App für Smartphones läuft und daher die Anzeige künstlich aufgeblasen wird. Durch das Vergrößern wird allerdings die Darstellung echt schlecht. Noch habe ich keine Lösung gefunden, die das Problem beseitigen würde.

Unabhängig davon vermisste ich recht bald Tasten wie PAUSE / STOPP / PLAY, weil ich oft die Wiedergabe unterbrechen muss, wenn eines unserer Kinder etwas braucht - also in etwa so vier bis acht Mal während eines Filmes. Wenn ich dann nicht pausieren kann, bekomme ich eine mittelmäßige Krise.

++++ Die Kodi App ++++
Früher unter den Namen XBMC (XBox Media Center) mauserte sich die Anwendung zu einer
durchaus brauchbaren App unter Android. Ich selbst verwendete das Media-Center früher gerne unter Linux um die Inhalte von unserem NAS auf den Fernseher zu bringen. Nach dem ersten Start von Kodi der etwas länger dauert, da dabei die lokalen Speichermedien nach Inhalten durchsucht und Grundeinstellungen festgelegt werden, kommt man in die sehr übersichtlich gestaltete Medien-Oberfläche.

Kodi ist ideal geeignet, um Musik aus seiner Musikbibliothek zu spielen oder Filme aus dem lokalen Sicherungskopien-Speicher zu streamen. Dabei werden die entsprechenden Medieninformationen aus dem Internet abgerufen und sehr übersichtlich dargestellt. So bekommt man für die meisten Filme in seiner Mediathek neben Infos zum Film auch Darstellerinfos oder Snapshots.

Die Verbindung mit einem NAS-Laufwerk ist übrigens auch für Personen zu schaffen die weniger mit der Materie zu tun haben, allerdings vermutlich nicht ohne nebenher auf einem Tablet oder PC die Google-Suche offen zu haben um das eine oder andere How-To zu lesen, da es leider keine Anleitung im Lieferumfang der Box gibt.

++++ Amazon Prime ++++
Wider Erwarten ließ sich Amazon Prime über den Android Playstore installieren und lief meiner Meinung nach auch besser auf dem Gerät als Netflix. Zumindest war in diesem Fall die Auflösung wirklich HD. Ansonsten gibt es zu der App ja nicht viel zu sagen.

++++ Bildergalerie ++++
Was mir besonders gut gefiel war die sehr einfache und qualitativ hochwertige Anzeige von Fotos
und selbst aufgenommen Videos. Egal ob sich diese auf einem Cloudspeicher, am NAS oder auf einem lokalen USB-Stick befanden. Die Umschaltung zwischen den Bildern geht verzögerungsfrei und die Darstellung ist sehr detailreich und scharf. Entsprechend der normalen Funktionen eines Tablets kann man die Bilder dann auch schnell mit anderen Teilen oder bearbeiten.

FAZIT

Wenn man ein günstiges Gerät benötigt mit dem man Inhalte sowohl aus dem Internet als auch von lokalen Speichermedien streamen kann, mit dem man auch ohne Tablet und PC schnell mal über den Fernseher im Internet was checken kann und das einfach und schnell installiert ist, dann ist dieser Media-Player durchaus eine Überlegung wert.

Dabei sollte man im Auge behalten, dass

* das installierte Android-System speziell auf die Box angestimmt ist und vermutlich nie wieder aktualisiert wird,
* nicht alle Apps die im Playstore angeboten werden auf diesem Gerät installiert werden können, geschweige denn perfekt laufen,
* Netflix zumindest ab Werk in einer unzumutbaren Bild-Qualität läuft (vielleicht gibt es einen Workaround),
* zumindest ich das angeschlossene Keyboard nicht auf QWERTZ umgestellt bekam,
* kein DOLBY sondern nur STEREO verfügbar ist,
* die Lösung nicht perfekt, dafür aber verhältnismäßig günstig und durch die Freiheit der App-Installation relativ gut erweiterbar ist.

Grundsätzlich würde ich für die gebotene Leistung 3,8 von 5 geben. Allerdings wären drei Sterne einfach zu wenig, denn so schlecht ist die Box dann auch wieder nicht. Somit meine ich, dass vier Sterne dem gebotenen Leistungsumfang und der Qualität bei allen Einschränkungen gerecht werden.
4 von 5 Sternen

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