Dienstag, 3. November 2015

Das Kolar in der Wiener Kleeblattgasse

Das Kolar in der Kleeblattgasse gehört nun schon seit einer Ewigkeit zu unserem Leben. Ich kann mich ehrlich gesagt nicht mal mehr erinnern wann ich das erste Mal dort gewesen bin. Mehr als ein Vierteljahrhundert muss das auf jeden Fall schon her sein.

Und schon damals war das Kolar das, was es heute noch ist. Ein dunkles Souterrain-Lokal mit zentralem Holzofen und alten Mobiliar. Es hat dadurch einen ganz eigenen Charm. Leute die eine gepflegte Umgebung suchen, denen ein hochwertiges Ambiente wichtig ist und die womöglich sogar Besteck zu ihrem Essen wollen, werden im Kolar in der Kleeblattgasse nicht glücklich werden.
Solche die schon seit ihrer Jugend mit Studenten-Buden kein Problem haben, die sich vor mit Stickern zugepflasterten Toiletten in der Zeit zurück versetzen lassen und die wie früher einfach Zeit haben um mal ein paar Minuten auf das Bier oder den Fladen zu warten, die werden zufrieden sein.

Bei unserem letzten Besuch Ende Oktober 2015 bemerkten wir nun die erste teilweise Renovierung des Lokals seit dem wir hingehen. Es wurde zaghaft ausgemalt und die Wände wurden mit 'offener Ziegelstein'-Optik versehen. Auch der eine oder andere Tisch erfuhr eine Erneuerung. Das passierte alles so dezent, dass man beim Betreten des Lokals erst zwei Mal hinsehen muss um die Veränderungen zu erkennen. Und genau das ist gut so, denn dieses Lokal lebt von den in dunklem gelb ausgemalten Gewölben und Wänden, von der schummrigen Beleuchtung und den eher dunklen Tischen und Stühlen die gerne auch nicht zusammen passen.

Vor dem Lokal und im kleinen Innenhof neben dem Lokal kann man während der warmen Monate bis um 22 Uhr draußen sitzen und das Ambiente der alten Häuser und einer Straße mit Kopfsteinpflaster ohne Autoverkehr genießen.

An der Bar im vorderen Bereich des Lokals können während dem Genuss eines gepflegten Bieres mit Freunden auch aktuelle Fußball Matches im TV angesehen werden.
In der Mitte des Raums steht der Holzofen, der wie ein Pizzaofen eingesetzt wird. Das benötigte Buchenholz lagert entlang der Wände im Lokal. Man kann dem Koch zusehen wie die Fladen gemacht werden. Dabei gibt es zwei verschiedene Größen (klein/groß) die sich nun nicht so sehr unterscheiden. Das Fladenbrot wird zuerst im Ofen gebacken und dann in der Mitte aufgeschnitten. Die untere Hälfte wird nach Wunsch belegt und dann im Ofen überbacken. Dann kommt die obere Hälfte wieder drauf und es wird serviert.

Bei den Fladen gibt es wirklich unzählige Möglichkeiten bis hin zur freien Wahl der Zutaten. Mein Favorit ist Tomatensauce, Salami, Zwiebel und Käse. Meine Frau steht eher auf Kombinationen mit Sauerrahm und unsere Kinder können sich nach einer großen Salami-Flade nicht zurück halten und müssen immer eine mi Nutella essen. Es ist wirklich für jeden Geschmack etwas dabei. Und auch wirklich jeder mit dem wir dort essen waren, der das Lokal noch nicht kannte schwärmte von den Fladen.

Für all jene die es, so wie wir, gerne etwas schärfer mögen wird gratis Sambal zu den Fladen serviert. Die Fladen werden im Übrigen mit den Händen gegessen, weshalb man kein Besteck serviert bekommt. Für Kinder empfiehlt sich meist die Bestellung von Extra-Servietten. Gleiches gilt bei der Bestellung eines Grammelschmalz-Fladens :-)

Liebhaber des goldgelben Gerstensaftes kommen im Kolar ebenfalls auf ihre Kosten. Ich habe keine Ahnung wer das hauseigene Bier braut (vermutlich Starobrno, da auch deren Bier auf der Karte steht) aber vor allem das Kolar-Zwickel ist eine echte Empfehlung. Naturtrüb mit einer leicht süßlichen Note ist es ein sehr süffiges Bier, das gerne auch in größeren Mengen die Kehle hinunter läuft.

Preislich ist das Kolar nach wie vor als eher günstig einzustufen. Die Qualität der Speisen und Getränke ist dennoch sehr gut. Einzig ein bisschen Zeit sollte man mitbringen, denn wie es in Studenten-Lokalen üblich ist, dauert es gerne schon mal ein bisschen bis man seine Bestellung aufgeben kann oder die Fladen fertig werden. Es ist nun mal eher Slow-Food und mal ehrlich: ist es nicht auch mal ganz schön, wenn nicht alles so schnell geht?

Übrigens: Nicht für jeden Tag aber zumindest ein Mal Pflicht ist es eine Grammelschmalz-Flade zu essen. Warmes Fett mit Knoblauch, Zwiebeln und knusprigen Grammeln brachten noch jeden zum Schwärmen. Ein Schnaps als Dessert ist dann allerdings ebenso Pflicht ;-)

5 von 5 Sternen

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