Sonntag, 28. Juni 2015

Kindergarten der St. Nikolausstiftung in der Mauerer Lange Gasse

Unsere Kinder werden die Zukunft unserer Erde gestalten. 

So simpel dieser Satz ist, so weitreichend können die Konsequenzen sein die daraus resultieren. Wir müssen uns daher als Eltern entscheiden , ob wir für unsere Kinder einen Ort suchen an dem sie während des Tages verwahrt und mit Lebensmitteln versorgt werden, oder ob wir eine Betreuungseinrichtung wählen deren Engagement über die reine Grundversorgung hinaus geht.

Zugegebener Maßen ist diese Entscheidung nicht leicht treffen, da man sich schon recht früh für einen Kindergarten entscheiden muss, um noch einen Platz zu bekommen. Dabei kann es hilfreich sein, wenn man jemanden kennt, der bereits Erfahrungen machen konnte. Daher möchte ich Ihnen unsere Eindrücke zu diesem Kindergarten schildern, um die Entscheidung vielleicht etwas zu erleichtern.

Dazu ist zu sagen, dass beide unserer Kinder diesen Kindergarten besuchten. Unser Sohn war lediglich im letzten Kindergartenjahr vor der Volksschule dort, unsere jüngere Tochter durfte bereits von Anfang an ihre Kindergartenzeit in dieser Einrichtung verbringen. Somit haben wir den Vergleich mit einem anderen Kindergarten (KIWI - Kinder in Wien) der ebenfalls privat geführt wird, und können auf die Erfahrungen zweier völlig unterschiedlicher Kinder zurück greifen.

Die Lage

Der Kindergarten in der Maurer Lange Gasse 115 liegt etwas abseits und ist öffentlich mit der Buslinie 60A (Station Kaserngasse / Lindauergasse) oder mit dem Auto zu erreichen. Die Bushaltestellen sind nur knapp zwei Gehminuten vom Kindergarten entfernt und auf Grund der Lage nur mit maximal einer Straßenüberquerung verbunden.

Für Eltern die ihre Kinder mit dem Auto bringen ist die Anfahrt möglicherweise etwas kürzer, dafür müssen diese die Parkplatzsituation im Auge behalten. Vor dem Gebäude gibt es werktags zwischen 7:00 und 17:00 Uhr ein Halte- und Parkverbot. In dieser Zone können bis zu fünf Fahrzeuge halten. Allerdings findet man zu Stoßzeiten gut wie keinen Parkplatz im direkten Umfeld des Kindergartens. Die Stoßzeiten sind morgens zwischen 7:30 und 7:50 wenn die Schüler der Volksschule von ihren Eltern gebracht werden und in den Nachmittagsstunden ab ca. 12:30 bis 16:00.
Sollte man in der Maurer Lange Gasse keinen Parkplatz finden, so kann man sich damit helfen sein Fahrzeug auf dem Parkplatz eines nahe gelegenen Supermarktes abzustellen. Der der Platz jedoch nur für Kunden ist, würde es sich empfehlen das Abholen der Kinder gleich mit einem Einkauf zu verbinden (einfach aus Höflichkeit gegenüber den Mitarbeitern des Supermarktes).

Das Gebäude

Im Vordergrund ist die Front der
Familiengruppe zu sehen
Von Außen teilt sich die Ansicht in zwei komplett unterschiedliche Gebäude. Steht man vor dem Gebäude, so befindet sich der Kindergarten im Backsteinbau auf der linken Seite des Eingangs. Da es sich dabei um einen Altbau handelt sind die Räume des Kindergartens entsprechend hoch und bieten den Kindern viel Raum um auch auf einer zweiten, erhöhten Ebene zu spielen. Ebenfalls durch die Bauform gegeben ist ein etwas dunklerer Gang der im ersten Moment nicht besonders einladen wirken mag, durch die Pädagoginnen und Assistentinnen jedoch sehr liebevoll gestaltet ist und ein Forum für die Präsentation von Bastelarbeiten und saisonalen Projekten darstellt.

In einer kleinen Garderobe lassen die Kinder ihre Straßenkleidung bevor sie in einer der beiden Gruppen gehen. Dabei sind die Räume der Familiengruppe etwas heller, da sie über sehr hohe Fenster mit Ausrichtung auf den gemeinsamen Garten des Kindergartens und der Volksschule verfügen. Der größere Raum der Familiengruppe ist neben Tischen fürs Spielen und Basteln auch mit einer erhöhten Holzterrasse ausgestattet unter der sich neben einer Puppenküche und einem Kaufmannsladen auch noch ein weiterer Tisch für die Nachmittagsjause befindet. Die Terrasse ist kindersicher gestaltet und ein schöner, erhöhter Bereich in dem sich die Kinder zurückziehen können, wenn sie einmal etwas Ruhe brauchen.
Direkt an diesen Gruppenraum angeschlossen ist ein weiterer Raum, der früher eine Teeküche gewesen sein dürfte. Auch dort gibt es unzählige Möglichkeiten die kindliche Phantasie im Spiel auszuleben.

Die zweite Gruppe hat ihren Gruppenraum im straßenseitigen Teil des Hauses. Diese Gruppe ist nicht ganz so lichtdurchflutet, bietet aber ebenfalls eine zweite Ebene und ausreichend Platz zum Spielen, Basteln und Spaß haben. Hier befand sich bei unseren Kindern jeweils die Gruppe im letzten Jahr vor der Schule. Getrennt von den jüngeren Kindern können sich die 'Vorschulkinder' besser konzentrieren und somit eine bessere Vorbereitung auf die Schule genießen.

Der Turnsaal

Kinder brauchen viel Bewegung. Leider wird man diesem Anspruch in vielen Kindergärten nicht gerecht, da es meist schlichtweg am Platz mangelt. Hier hat der Kindergarten der St. Nikolausstiftung in der Maurer Lange Gasse einen entscheidenden Vorteil, denn dieser teilt sich mit der angeschlossenen Volksschule die Turnsäle. Dabei gibt es einen etwas kleineren Saal in dem den Kindern die Möglichkeit gegeben wird ihren Bewegungsdrang durch Lauf- und Ballspiele auszuleben auch wenn das Wetter trüb und regnerisch ist. Die Ausstattung dieses Raumes ist etwas einfacher gehalten, bietet aber immer ausreichend Potential für Bewegung und Sport.
Fr. Haller und Fr. Jelinek bei einer
Aufführung der Kinder im Einsatz

Der zweite, größere Turnsaal verfügt dann über sämtliche gewohnte Ausstattungsmerkmale. Beginnend mit der Sprossenwand, über Fußballtore, Basketball-Körbe, Kletterseile und Stangen ist hier alles zu finden, was von einem modernen Turnsaal erwartet. Außerdem ist im großen Saal eine Audioanlage verbaut die bei Schulveranstaltungen genützt wird, wenn Aufführungen im Turnsaal stattfinden.

Der Garten

Die Terrasse vor der Familiengruppe
Ein Highlight dieses Kindergartens ist mit Sicherheit der Garten, denn ein Areal dieser Größe findet man in kaum einer anderen Wiener Einrichtung. Direkt vor der Familiengruppe, auf einer vorgelagerten Terrasse, können die Kinder bei schönem Wetter (auch wenn es mal etwas kühler ist und trotzdem die Sonne scheint) auf kleinen Tischen Spielen oder die Jause genießen.

Nur zwei Stufen tiefer ist ein großer Sportplatz mit gummiertem Bodenbelag vorgelagert. Dort toben sich vorrangig die kleinen FußballerInnen auf der Jagd nach Toren aus.

Jene die mit Fußball weniger am Hut haben werden sich über die große, durch ein Sonnensegel beschattete Sandgrube, die Wippen, die Schaukeln oder das große Klettergerüst mit Rutsche und Kletternetz freuen. Für Kinder die gerne fahrend unterwegs sind steht eine große Auswahl an unterschiedlichsten Gefährten zur Verfügung für deren Verwendung auch ausreichend asphaltierte und gerade Flächen vorhanden sind.

Da der Garten wirklich riesig ist und auf Grund der Lage über unterschiedliche Niveaus verfügt freuen sich die Kinder im Winter so richtig über Schnee, denn dann wird aus dem Garten ein Rodelhügel über den sowohl die Kindergartenkinder als auch VolksschülerInnen mit großer Begeisterung hinunter rutschen. Wir gaben unseren Kinder an solchen Tagen diese Rutschplatten aus Kunststoff mit.

Somit ist der Garten nicht nur in der warmen Jahreshälfte der Hit sondern wird das ganze Jahr über kräftig frequentiert.

Der Speisesaal

Ein weiterer Vorteil der gemeinsamen Lage mit der Volksschule ist die gemeinsame Nutzung des Speisesaales. Somit gibt es eine klare Trennung von Essen und Spielen. Oft fällt es Kindern im Kindergarten schwer sich auf das Essen 'zu konzentrieren' und dieses zu genießen, wenn direkt daneben das Lieblingsspielzeug verlockt.

Die Kinder des Kindergartens essen vor den Schülern. Somit findet das Mittagessen gegen 11:30 statt (ob das so bleibt weiß ich nicht, aber diese Zeit hat sich über Jahre bei unseren Kindern bewährt). Der Speiseplan ist vielfältig und die Speisen wurden (und werden vermutlich immer noch) vorgekocht in in der Schule erwärmt. Zu unserer Zeit wurde das Essen von Gourmet geliefert. Die Speisen werden vorgekocht und schockgefroren, um dann bei Bedarf erwärmt werden zu können.

Das Mittagessen

Ich denke, dass es allen Kindern beim Essen ähnlich geht und sie mal mehr, mal weniger heikel sind. Unsere Kinder verlernten das Essen in den Kindergärten und den Schulen komplett. Das soll jetzt keine Kritik am Kindergarten der MLG sein, da es durchwegs alle Einrichtungen betrifft die nicht vor Ort kochen, sondern aufwärmen. Dadurch werden panierte Speisen wie Fischstäbchen und Schnitzel einfach nicht knusprig genug. Andere Speisen leiden am sehr schonenden Abschmecken mit sehr wenig Salz. Wenigstens wird zumindest bei Gourmet auf Geschmacksverstärker verzichtet.

Unsere Kinder waren zuvor in der Kinderkrippe des Mödlinger Krankenhauses wo täglich frisch gekocht wurde. Dort gab es nie ein Problem. Auch hörten wir nie, dass etwas nicht geschmeckt hätte.
Wir machten auf jeden Fall die Erfahrung, dass unsere Kinder mit jeder Woche im Kindergarten (egal ob KiWi oder MLG) weniger Speisen auf ihrer  "Das ess' ich gerne"-Liste hatten. Das begann wie gesagt mit dem Eintritt in Kindergärten ohne Frischküche.

Wir versuchten immer wieder anzuregen, dass eine Frischküche eingerichtet werden solle. Dafür waren wir auch bereit mehr für das Essen zu bezahlen. Leider denken nicht alle Eltern so, daher hatte sich zumindest zu unserer Zeit keine Änderung ergeben.

Die Betreuung

Der absolute Kernbereich eines Kindergartens ist die Betreuung. Nicht allen Kindergärten dürfte dieser Umstand klar sein. Schließlich konnten wir  vor der Maurer Lange Gasse auch schon Erfahrungen mit anderen Kindergärten und Kinderkrippen sammeln und stellten fest, dass vor allem der KiWi Kindergarten am Wienerberg seine Hauptaufgabe in der Verwahrung der Kinder sieht.

Dort ging es vorrangig darum möglichst viele Kinder in den Räumlichkeiten unterzubringen und die Gruppen am Nachmittag möglichst kosteneffizient zusammen zu legen. So konnte man dort beiM abholen der Kinder kaum eine qualifizierte Aussage über den aktuellen Aufenthaltsort seines Kindes erhalten. "Schauen sie mal in der orangen Gruppe, oder vielleicht in der blauen Gruppe." waren Aussagen die zum täglichen Standard gehörten, wenn man auf der Suche nach seinem Kind war.

Frau Haller, die Leiterin des Kindergartens der St. Nikolausstiftung in der Mauerer Lange Gasse ist mit Abstand die kompetenteste und gleichzeitig engagierteste Kindergartenleiterin die uns bislang begegnete. Dabei merken die Kinder der Familiengruppe die sie betreut nichts von den Aufgaben der Kindergartenleitung.

Ebenso wie Frau Haller konzentrieren sich alle Pädagoginnen und Assistenten während der Arbeitszeit ausschließlich auf die Kinder, auf deren Wohl aber auch auf deren zwischenmenschliches Verhalten. Auch das ist nicht in allen Kindergärten so, denn wir erlebten auch schon Pädagoginnen in anderen Kindergärten, die im Garten von den Kindern abgewandt saßen und sich privat unterhielten. Die Kinder beschäftigten sich ohnehin alleine.

Als unsere Kinder den Kindergarten besuchten bestand das Team neben Frau Haller aus

  • Silvia Steiner, die den größeren Kindern bei der Vorbereitung auf die Schule half
  • Regina Jelinek, die durch ihre teils strenge aber immer gerechte Art bei unseren Kindern sehr beliebt war
  • Stephanie Pesenhofer, die fast in jeder der täglichen Erzählungen unserer Tochter einen Fixplatz hatte
  • Pavla Semenkova, die von unserer Tochter, obwohl erst in den letzten Monaten hinzu gestoßen, ebenso ins Herz geschlossen wurde wie alle anderen Betreuerinnen.

Gerade das Team um Frau Haller war der Grund und ein Garant dafür, dass unsere Kinder den Kindergarten in der Maurer Lange Gasse gerne besuchten, sich nach einem Wochenende freuten wieder hin zu kommen und teilweise am Nachmittag nicht nach hause gehen wollten. Vor allem unsere Tochter wies uns oft an sie länger im Kindergarten zu lassen und ließ mich manchmal beim Abholen warten. Oft wurde die Oma sogar von unserer Tochter nach hause geschickt und gebeten später wieder zu kommen. So etwas kannten wir vorher noch nicht.

Dabei war es keineswegs so, dass es im Kindergarten mangels Regeln lustiger zuging als zuhause. Im Gegenteil wurde immer darauf geachtet, dass die Kinder die Regeln eines ordentlichen zwischenmenschlichen Verhalten befolgten. Eine ordentliche Begrüßung oder sich zu verabschieden und dabei die Hand zu geben gehörten ebenso zu den Mindestanforderungen wie höfliche Umgangsformen. Das alles ohne Zwang, sondern einfach weil es so üblich war.

Frau Steiner, die Gruppenleiterin der 'Vorschulgruppe' legte größten Wert darauf, dass die Kinder pünktlich um 9 Uhr in der Gruppe waren um im Vorschulbetrieb eine gewisse Kontinuität hinein zu bringen. So konnte der Vormittag für Aufgaben genützt werden die zur Verbesserung der Genauigkeit und Auffassungsgabe dienten und gleichzeitig eine Gewöhnung an die zukünftigen Vormittage im Schulalltag bewirkten. Dabei kam Spaß und Spiel aber nicht zu kurz.

Kosten

Es handelt sich um einen privat geführten Kindergarten, der dementsprechend nicht alleine durch die Mittel der Stadt Wien finanziert wird. Somit entstehen in der Zeit in der ein Kindergartenbesuch verpflichtend ist Kosten von rund 120,- Euro pro Monat (Stand 2015) die man selbst zu tragen hat.
Für den Kindergartenbesuch der von der Stadt Wien nicht gefördert wird muss man zusätzlich rund 230,- Euro mehr rechnen, da dieser Betrag in etwa dem Förderbeitrag entspricht den die Stadt Wien übernimmt.

Fazit

Aus unserer Sicht war es die beste Entscheidung unsere Kinder im Kindergarten der St. Nikolausstiftung in der Maurer Lange Gasse unterzubringen. Auf Grund der gebotenen Leistung und vor allem wegen des extrem netten, freundlichen und kompetenten Teams lohnt sich die Übernahme eines nicht ganz unerheblichen monatlichen Selbstkostenanteils absolut. Unsere Kinder hatten eine fantastische Zeit in diesem Kindergarten und unsere Tochter fragt immer wieder nach ob es zeitlich möglich wäre ihrem Kindergarten einen Besuch abzustatten damit sie Claudia, Silvia und Co. wiedersehen kann.

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